Reinhild Hoffmann «Ein Brief/Christus am Ölberge»

Nein, kein Buch mit sieben Siegeln. Aber in Bonn braucht es seine Zeit, bis es aufgeschlagen wird. Unübersehbar beherrscht es die Bühne der Oper, die Reinhild Hoffmann diesmal selbst ausgestaltet hat, geradezu einschüchternd in seiner Erhabenheit. Es könnte das Buch sein, das Philipp Lord Chandos nicht mehr schreiben will. So hat es Hugo von Hofmannsthal vorgesehen in seinem Prosawerk «Ein Brief», das der Komponist Manfred Trojahn nun in eine «reflexive Szene für Bariton, Streichquartett und Orchester» überführt.

Es könnte sich dabei aber ebenso gut um die Bibel handeln, die dem Hauptwerk des Doppel-Abends, dem Beethoven-Beitrag «Christus am Ölberge», Bedeutung gibt.

Ein Oratorium. Kein Tanzstück, schon gar kein Ballett. Reinhild Hoffmann hat dem Jesus-Sänger dennoch zehn Tänzer und Tänzerinnen des Essener Folkwang Tanzstudios zugesellt, die man als seine Jünger deuten könnte, die aber vielleicht auch seine Aura verkörpern. Chorisch geführt und meist symmetrisch gestaffelt, drängen sie sich dem Zuschauer nie auf. Erst in der Konfrontation mit dem Chor und einer lanzenbewaffneten Statisterie erzeugen sie eine «heilignüchterne» Atmosphäre, die insgesamt die Aufführung ...

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Tanz April 2020
Rubrik: Beethoven, Seite 14
von Hartmut Regitz