Theater ohne Fluchtpunkt
Das Festspielhaus im Dresdner Stadtteil Hellerau ist ein schlichter Bau, kein Kulissentheater, das einst die Regisseure zwang, die Akteure nur mehr posieren und deklamieren zu lassen. Bis der Schweizer Theaterreformer Adolphe Appia (1862–1928) als «Bilderstürmer» diese alte Maschinerie der Stadttheater zugunsten «dynamischer Raumfindungen» verwarf.
Appia, so die Herausgeberinnen einer Anthologie, suchte «die Neukonfigurierung des Bühnenraums in beweglichen Elementen (Praktikabeln), die Komposition der Aufführung in szenischen Modulen sowie eine Mediatisierung der Bühne (durch den Einsatz von elektrischem Licht, Screens und Projektionen)». Appia gilt damit als ein Erfinder auch der Ästhetik des zeitgenössischen Tanzes, wie es 2007 die Tagung «Theater ohne Fluchtpunkt» in Hellerau vermutete, deren Dokumente drei Jahren später endlich vorliegen. Richard Beacham spricht in seinem Beitrag vom Theater nicht mehr als Behälter für Zuschauer und Tänzer, sondern von einem «lebenden Organismus», einem «körperlichem Raum». Dieser Raum sollte nunmehr beweglich sein, auch dadurch, dass Appia diffuses Tageslicht erlaubte, wie in der Antike, und es, damals revolutionär, durch elektrisches Licht zu ...
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