Spiegel der Kritik
Der Tanzkritiker als Historiker und umgekehrt – was in deutschsprachigen Gefilden süffisantes oder nachsichtiges Lächeln auslöst, geht für Amerikaner wie selbstverständlich zusammen: Da mutiert eine Tanzkritik schon mal elegant zu einer historischen Reflexion. Den Spagat zwischen Kritik und Recherche beherrscht die Grande Dame der US-amerikanischen Tanzkritik, Marcia Siegel, vorbildlich. Erneut hat sie Kritiken und Essays ausgesucht, die sie zwischen 1982 und 2008 für Tageszeitungen und Fachzeitschriften schrieb, und daraus eine Anthologie gemacht.
«Dies ist ein Buch über Geschichte», so Marcia Siegel: Kein Wunder, dass immer wieder die Ballets Russes vorkommen, George Balanchine und die amerikanische Tanzmoderne. Europäische Choreografen haben es schwer bei ihr, insbesondere William Forsythe, der ihr, wie sie bekennt, ein andauerndes Rätsel ist. Gleichwohl wird ihr Ringen, seine – von ihr unbestrittene – Bedeutung anschaulich werden zu lassen, zum Musterbeispiel ihrer historisch-kritischen Herangehensweise, bewusst sachlich und ostküstenhaft unaufgeregt formuliert.
Marcia Siegels Kollegen sind von der Publikation begeistert. Die American Society for Aesthetics verleiht der ...
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