the blind poet

needcompany «the blind poet»

Sie ist eine der am längsten existierenden freien Theatergruppen. 1986 in Belgien gegründet, kommt sie nun in ein Alter, das an die Existenz geht. Viermal ist der Krebs ausgebrochen, viermal hat die im indonesischen Surabaya geborene Choreografin Grace Ellen Barkey ihn besiegt. Ihr Mann, der Künstler Jan Lauwers, schuf während der bangen Genesungszeit deutliche Objekte: eine Waage des Lebens, so bühnengroß, dass sie ein totes Pferd wiegen kann. Er nennt sie «Joseph Beuys».

Zur ihr gesellen sich zwei im Bauhausstil gehaltene Großfigurinen, «The Knights», die mit stumpfen Schwertern kämpfen. Final wuchert eine schwarze Riesenzelle in den Theaterraum hinein («A Drop of Rain»): unmenschliche Artefakte, die auf sieben sehr menschliche Porträts des Ensembles treffen.

«Grace, Grace, Grace», feuert die Needcompany ihre erste Tänzerin bei den «KunstFestSpielen Herrenhausen» in Hannover an (man hört es wie das Notlandekommando «Brace»), damit sie erzählt, was sie im Fall ihres drohenden Todes nicht mehr erzählen könnte: dass ihr Großvater Caspar Barkey noch vor 800 Jahren Bürgermeister von Bremen gewesen sei, und Anthony Barkey sich als Sklavenhändler in Java verdingte, bis er 1745 bei einem ...

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Tanz Oktober 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Arnd Wesemann

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