darmstadt

la veronal «voronia»

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Guy Debord war französischer Chefdenker und Gründer der kapitalismuskritischen Situationistischen Internationale. 1978 schuf er seinen letzten Film, dessen Titel sowohl vorwärts wie rückwärts gelesen «in girum imus nocte et consumimur igni» hieß. Zu Deutsch: «Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt». Nun prangt dieser altrömische Dichtersatz über Marcos Moraus jüngstem Werk – und wird in eine zutiefst religiöse Dimension übersetzt.

Satan entsteigt da in Person eines Knaben der Hölle, die Morau in Voronia vermutet, der tiefsten Höhle der Welt, am Schwarzen Meer. Am Ende wird dieser Knabe das Christuskreuz tragen. Ein Wunder, oder eben ein Palindrom, denn so nennt man, was sich von vorn wie von hinten identisch lesen lässt. Da werden bald ein Muslim, ein Jude und ein Christ vor einen Personenaufzug an einem reich gedeckten Tisch einschlafen. Ein Tanzpaar wird ihnen erscheinen, Satan und Christus, ohne dass sich je entscheiden ließe, wer welcher ist. Nur in der Angst gibt es einen Verführer, und nur in der Hoffnung einen Erlöser.

Auch wenn das Ensemble aus acht Tänzern und neun Statisten zu Beginn und zum Ende zutiefst ergeben den roten Tanzteppich saugt und ...

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Tanz Oktober 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann

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