Tero Saarinen
Wenn ich mir meinen nächsten Bundeskanzler unter den Choreografen aussuchen dürfte, würde ich ohne zu zögern Tero Saarinen wählen. Denn der parteilose Finne, Jahrgang 1964, verkörpert jene Alternative, die in der Politik fehlt: leidenschaftlichen Humanismus, intellektuelles Partisanentum, moralische Unbestechlichkeit und die strikte Weigerung, seine Ideale den angeblich übermächtigen ökonomischen Sachzwängen zu opfern.
Saarinens Karriere beginnt 1992 mit seinem Austritt aus dem Finnischen Nationalballett, wo er als Solotänzer zwar sehr erfolgreich gewesen war, sich aber bald gefangen gefühlt hatte in den Rollenmustern des klassischen Weltbilds. »Ich bin kein Prinz, kein Monster und wollte auch nicht immer den Clown spielen«, sagt der Choreograf heute – und die Liste seiner mehr als zwei Dutzend Werke liest sich rückblickend als Protokoll einer beharrlichen Suche nach den komplexeren Möglichkeiten des Menschseins. Dabei hat er, anders als viele Vertreter des zeitgenössischen Tanzes, nie das kleine Ich mit seinen läppischen Neurosen zum großen Thema erhoben. Seine Figuren veranschaulichen den postmodernen Konflikt zwischen emanzipiertem Individuum und fortgeschrittener Gesellschaft, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun. Ich bin ein Prophet!», ruft der Blinde. Die Fee im weißen Brautkleid verwandelt sich in Hund, Rabe und Katze. Sie kann sich auch auf Porzellanscherben räkeln. Sie stellt metaphorische Fragen, die an Grimms Märchen erinnern und führt uns durch den Film. Auch andere «Warriors Of Beauty» kehren regelmäßig ins...
Neulich in Brighton, Südengland. Ein entzückendes Seebad und ein großes Tanzfilmfestival. 236 Filme sind zum zehnten Wettbewerb dance screen eingeladen. Auf die Beine gestellt wurde es von der dortigen South East Dance, dem Arts Council England und dem Internationalen Musik- und Medienzentrum Wien (IMZ). Und hier sind die Gewinner. Der erste Preis ging an: eine...
Für Ausdauer, Konsequenz und Nachhaltigkeit: Seit mehr als zehn Jahren leistet Anna Huber mit ihren Recherchen zum tanzenden Körper im Raum Herausragendes. Es gelingen ihr immer wieder neue Perspektiven und Akzentuierungen; sie wagt Grenzgänge und bleibt trotz aller Akribie flexibel und offen. Kein Stück gleicht dem anderen, doch alle sind unverkennbar Anna Huber....
