Tero Saarinen

Tanz - Logo

Wenn ich mir meinen nächsten Bundeskanzler unter den Choreografen aussuchen dürfte, würde ich ohne zu zögern Tero Saarinen wählen. Denn der parteilose Finne, Jahrgang 1964, verkörpert jene Alternative, die in der Politik fehlt: leidenschaftlichen Humanismus, intellektuelles Partisanentum, moralische Unbestechlichkeit und die strikte Weigerung, seine Ideale den angeblich übermächtigen ökonomischen Sachzwängen zu opfern.

Saarinens Karriere beginnt 1992 mit seinem Austritt aus dem Finnischen Nationalballett, wo er als Solotänzer zwar sehr erfolgreich gewesen war, sich aber bald gefangen gefühlt hatte in den Rollenmustern des klassischen Weltbilds. »Ich bin kein Prinz, kein Monster und wollte auch nicht immer den Clown spielen«, sagt der Choreograf heute – und die Liste seiner mehr als zwei Dutzend Werke liest sich rückblickend als Protokoll einer beharrlichen Suche nach den komplexeren Möglichkeiten des Menschseins. Dabei hat er, anders als viele Vertreter des zeitgenössischen Tanzes, nie das kleine Ich mit seinen läppischen Neurosen zum großen Thema erhoben. Seine Figuren veranschaulichen den postmodernen Konflikt zwischen emanzipiertem Individuum und fortgeschrittener Gesellschaft, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2005
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 103
von Evelyn Finger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Martin Schläpfer

Natürlich ist es das gute Recht jeder Generation, das Rad neu zu erfinden. Selbst das ungläubige, begeisterte Staunen junger Kritiker, dass das neu erfundene Gerät sich tatsächlich dreht, muss man wohl hinnehmen; schließlich haben sie von Welt und Tanzgeschichte noch nicht allzu viel mitbekommen. Leider bringen alle neuen Erfindungen des längst Bekannten die...

Alistair Spalding

Der Mann hat Visionen. Und schlau ist er auch. Aber sein Haus, das Sadler’s Wells, liegt in Islington und damit abseits vom West End, der Londoner Vergnügungsmeile. Ein Haus mit 1500 Plätzen und dies (fast) ausschließlich für Tanz. Viel Subvention kriegt das Theater nicht. Sadler’s Wells hat ein Budget von 14 Millionen Pfund – der Arts Council of England zahlt für...

Ashley Page

Ashley Page is the new Artistic Director of Scottish Ballet. What he has achieved with the Company in less than two years is nothing short of a miracle. Scottish Ballet was in a sorry mess before his arrival, the subject of a Parliamentary Inquiry, with demoralised dancers and a Board that could not make up its mind whether it wanted a ballet company or a modern...