Martin Schläpfer
Natürlich ist es das gute Recht jeder Generation, das Rad neu zu erfinden. Selbst das ungläubige, begeisterte Staunen junger Kritiker, dass das neu erfundene Gerät sich tatsächlich dreht, muss man wohl hinnehmen; schließlich haben sie von Welt und Tanzgeschichte noch nicht allzu viel mitbekommen. Leider bringen alle neuen Erfindungen des längst Bekannten die Tanzgeschichte nicht weiter. Selten nur geschieht etwas, das die alten Mauern übersteigt und die Tanzkunst verändert. Die junge Pina Bausch war ein solcher Innovator, in geringerem Umfang wohl auch der Kanadier Edouard Lock.
Jemanden dieses revolutionären Formats sehe ich unter den Jüngeren auf der derzeitigen Tanzszene nicht, schon gar nicht, wenn man das Alterslimit für Jung-Genies auf, sagen wir: dreißig Jahre oder weniger festsetzt. Der Schweizer Martin Schläpfer, der seit fünf Jahren das ballettmainz leitet, ist immerhin schon 45 Jahre alt. Aber da er erst seit einem Jahrzehnt überhaupt choreografiert, darf man ihn vielleicht doch noch als «jungen Choreografen» bezeichnen. Und ein «Hoffnungsträger», wie ihn Hartmut Regitz und Arnd Wesemann Jahr für Jahr ausgucken lassen, ist Schläpfer allemal. Kein anderer Choreograf hat ...
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