Tanzende Aphorismen
«Was machen wir mit der Mauer? Das war eine der ersten Fragen, die wir uns gestellt haben», erzählt mir Fuensanta Nieto vor dem Monitor in ihrem Madrider Office. Nieto Sobejano Architectos sind in diesem Herbst mit der Cité du Théâtre, einer neuen künstlerischen Stätte in Paris, beauftragt worden. In einem internationalen Wettbewerb haben sie sich gegen Stararchitekten wie Foster + Partners durchgesetzt.
Das ambitionierte Projekt bringt drei wichtige französische Kulturinstitutionen zusammen: Hier wird der neue Sitz des Conservatoire National Supérieur d‘Art Dramatique (CNSAD) entstehen sowie neue Aufführungssäle für die Comédie-Française und für das Odéon – Théâtre de l‘Europe, das dort schon eine zweite Spielstätte hat.
Der Ort und die Topografie sind aus vielen Gründen interessant. Das Herzstück der Cité du Théâtre sind die Ateliers Berthier, bis heute die Werkstätten der Pariser Oper, 1895 gebaut von ihrem berühmten Architekten Charles Garnier und sein einziger industrieller Bau. Die Mauer, der zweite Protagonist des Projekts, ist eines der wenigen Fragmente der politisch aufgeladenen Thiers-Mauer, der letzten Stadtbefestigung von Paris (1841 – 49 gebaut). Aus ihr wurden ...
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Tanz Januar 2021
Rubrik: Architektur, Seite 44
von Marina Dafova
Es müssen nicht gleich Fälle von professoraler Vergewaltigung oder sexueller Übergriffigkeit sein, wie sie die Hochschule für Musik und Theater München erschüttert haben. Es reicht bei der Ausbildung junger Künstler und Künstlerinnen bereits, sie bloßzustellen, zu demütigen, zu diskriminieren und gegeneinander auszuspielen, um sie in ihrer Abhängigkeit zerbrechen...
Wer wacht über uns? Wer gibt uns Orientierung, Halt, Beständigkeit? Es scheint, als müssten Bürger*innen dies heute selbst in die Hand nehmen. Joanne Leightons partizipative Performance «Türmer München», installiert auf dem Dach des Kulturzentrums Gasteig, ermöglicht das. Sie erinnert an die Zeit, als Turm- und Nachtwächter Schutz versprachen und einen menschlichen...
CD des Monats: Satie
«Im Wunderland» nennt Tamar Halperin ihre Interpretation eines Minutenwalzers von Erik Satie. Klar, dass die Israelin damit auf die «Alice»-Geschichte von Lewis Carroll anspielt, die der Franzose so mochte. So sehr, dass er am liebsten aus dem Buch ein Ballett gemacht hätte. Stattdessen hat er bei seinem Tod 1925 nicht nur unzählige...
