Totalreform

Neue Leitlinien der Ballettausbildung an der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Was neu ist, erklärt der Leiter Jan Broeckx im Gespräch mit Eva-Elisabeth Fischer

Es müssen nicht gleich Fälle von professoraler Vergewaltigung oder sexueller Übergriffigkeit sein, wie sie die Hochschule für Musik und Theater München erschüttert haben. Es reicht bei der Ausbildung junger Künstler und Künstlerinnen bereits, sie bloßzustellen, zu ­demütigen, zu diskriminieren und gegeneinander auszuspielen, um sie in ihrer Abhängigkeit zerbrechen zu lassen.

Gegen die nach wie vor praktizierte «Schwarze Pädagogik» bei der professionellen Tanzausbildung zieht nun das brandneue pädagogische Konzept einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe an der Ballett-Akademie zu Felde, die ebenfalls zur Hochschule gehört. Jan Broeckx, ehemals selbst Ballerino von Weltruf, ist seit zehn Jahren Leiter der Ballett-Akademie in München und als solcher für gut einhundert Studierende verantwortlich. Er steht Rede und Antwort zur Bedeutung dieses Konzepts im Schulalltag, das trefflich mit «aus Respekt!» überschrieben wäre.

Jan Broeckx, hat es an der Ballett-Akademie Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben?
Nein.

Was gab den Anstoß zu Ihrem Konzept?
Die Fälle der Musikhochschul-Professoren Siegfried Mauser und Jürgen von Bose in den ­eigenen Reihen, die Zustände in Berlin oder Wien? Nicht allein ...

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Tanz Januar 2021
Rubrik: Praxis, Seite 50
von Eva-Elisabeth Fischer

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