Tanzen mit Lotte
Sind Emotionen das, was uns Tänzer vermitteln, wenn sie sich einfühlen in Rolle, Musik und Haltung? Und was fühlen wir, wenn Tänzer fühlen? Ehrlich: Gefühle teilen sich nur Liebende, nicht das Publikum mit der Kunst.
Viele reden von einer «Wiederkehr der Emotion», aber was meinen sie? Dass wir nicht vergessen sollen, das Taschentuch ins Theater zu tragen? Dass der Tanz uns berührt wie der Finger von E.T.?
Eine plötzliche Übertragung von Energien, die etwas auslösen: Freude, Lust, Mitleid?
Emotion, das heißt wörtlich «aus der Bewegung heraus bewegt zu werden».
Das heißt nicht, Gefühle seien so ansteckend wie Bazillen oder Gelächter. Wann und wie die Gefühle, die ein Tanzabend auslöst, bei jedem Einzelnen wirken, bleibt unberechenbar. Leidenschaft, schreibt Dorion Weickmann in diesem Heft, wäre eine Lösung. Oder Temperament. Beides ist nicht passiv, sondern ein verkörpertes Gefühl. Der glühende Körper, der «durchdrungen» und «aus sich selbst» bewegt wirkt. Oder sich gar nicht bewegt, sondern von etwas bewegt wird, das stärker ist als er.
Jeder, der mal wieder «mehr Gefühl» im Tanz fordert, kehrt unwillkürlich zweihundert Jahre zurück in die Zeit des späten Absolutismus, wo die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Du guter Gott», hat sich schon vor mehr als hundert Jahren Eduard Hanslick gefragt, «was gehen uns die Gottheiten an? Die zärtlichen Liebespirouetten von Nymphen und Schäferinnen, die begeisterten Bocksprünge unsauberer Faune, diese immer sprungbereite Allmacht Dianas oder Amors? Für wen haben sie noch ein dramatisches Interesse?» Und der Kritiker aller Kritiker...
One day in the month of October, 1506, Albrecht Dürer writes a letter from Venice to his friend and sponsor in Nuremberg, Willibald Pirckheimer. It is full of heavy-handed banter, and one of the things that the artist recounts to his friend in Germany is the rather surprising fact that he has undertaken to learn to dance. He has, he says, been to dancing school...
Bettina Wagner-Bergelt
als Ballettdramaturgin und Stellvertreterin des Direktors des Bayerischen Staatsballetts sind Sie 2008 die Kuratorin des Münchner Tanzfestivals Dance. In den 1980er Jahren waren Sie selbst maßgeblich an der Entwicklung des Festivals Dance beteiligt. Ist das die Rückkehr? Ich war damals im Münchner Kulturreferat stellvertretende Leiterin der...
