Taktstock statt Tutu
April 2018, beim Stuttgarter Ballett steht das Ballett mit den Hühnern und dem Pony auf dem Spielplan. Im ausverkauften Haus lacht das Publikum bei Frederick Ashtons «La Fille mal gardée», die Musik von Ferdinand Hérold sprudelt. Am Ende, wo sonst ältere Herren im Frack auf die Bühne kommen, den Applaus entgegennehmen und das Orchester aufstehen lassen, verbeugt sich eine energische junge Frau im schwarzen Anzug, sie ist -schmaler als manche Ballerina.
Die Tänzer klatschen an diesem Tag besonders heftig für die musikalische Leitung: Maria Seletskaja ist eigentlich eine von ihnen und hat gerade ihre Feuertaufe bestanden, sie hat ihre erste Aufführung dirigiert. Tatsächlich gehört die Tänzerin aus Estland am Abend ihres Debüts mit Taktstock offiziell noch als Solistin zum Ballet Vlaanderen in Antwerpen; erst Monate später wird sie ihre Bühnenkarriere beenden, um sich ganz ihrem «zweiten Leben» zu widmen, mit dem sie wahrhaft Neuland betritt: Eine Tänzerin als Dirigentin, das gab es noch nie.
Nichts zu verlieren
Wie tritt man als Balletttänzerin, als blutige Anfängerin vor sechzig hochbezahlte, wesentlich ältere Staatstheater-Routiniers? Wie bekommt man die dazu, dass sie einen ...
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Tanz März 2019
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 64
von Angela Reinhardt
Wer auf einem Spaziergang durch Berlin-Kreuzberg den Blick auch mal gen Himmel wandern lässt, kennt es vielleicht: das überdimensionale Wandbild «Yellow Man». Die schlaksige gelbe Figur mit den müden Augen, hängenden Schultern und großen Brüsten blickt schon seit knapp 15 Jahren auf die Menschen herab, die vom U-Bahnhof Schlesisches Tor in die Oppelner Straße...
Prix de Lausanne
Mackenzie Brown ist 16 Jahre alt. Sie stammt aus den USA, studiert an der Académie Princesse Grace in Monte Carlo und hat beim 47. «Prix de Lausanne», dem wohl renommiertesten Nachwuchswettbewerb der Ballettwelt, groß abgeräumt: Sie nahm die Goldmedaille, den Publikumspreis und den Preis für die beste zeitgenössische Interpretation in Empfang. Die...
Immer wieder wendet Hedda Gabler (die Tänzerin Grete Sofie Borud Ny-bakken) ihr Gesicht dem Publikum zu. Mit unnachgiebigem Blick und trotziger Körpersprache scheint sie Hilfe zu suchen, zumindest aber Bestätigung: «Seht ihr, was die mit mir machen? Und nicht nur mit mir! Seht ihr das?» Unverhohlen und dringlich wirkt diese Kommunikation der verzweifelten Hedda mit...
