Stuttgart: R. Novitzky, A. Heise, F. Adorisio «Creations 1–3»
Das schönste Bild zeigt Fabio Adorisio in «Calma Apparente» gleich zu Beginn: Wie ein wildes Gebirge weitet sich der Rock von Elisa Badenes über die Bühne und den Horizont hinauf. Leider wickelt sie sich aus, dann mutiert das Felsenmeer zum Steinbruch, den William Forsythe durch seine Sprengung der Formen in der Tanzgeschichte hinterlassen hat und aus dem sich der junge italienische Choreograf nun wie so viele Epigonen vor ihm bedient. Adorisio aber setzt keine gewagten Akzente, in unterschiedsloser Dynamik schieben sich Hüften vor und winden sich Hälse in schmerzvollen Kontorsionen.
Die Musikcollage flutscht widerstandslos ins Ohr, von der «scheinbaren Ruhe» des Titels bleibt hauptsächlich der Eindruck von ambitiöser Gleichförmigkeit.
In seiner zweiten Spielzeit steigert sich der Stuttgarter Ballettintendant Tamas Detrich wieder auf die hier übliche, von Tänzern und Publikum verlangte Dosis an Uraufführungen. Die erste Hälfte von insgesamt sechs «Creations» bestreiten zwei Tänzer der Kompanie und der Berliner Andreas Heise, einst Tänzer in Leipzig und Oslo. Das Erkunden unbekannten Terrains, wie es Ex-Hauschoreograf Marco Goecke im letzten Jahrzehnt in Stuttgart betrieb, gehört ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2020
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Angela Reinhardt
Katja Wolf, Sie sind Choreografin, Tänzerin und Körpertherapeutin. Im Bereich Kinder- und Jugendtheater waren Sie für verschiedene Produktionen tätig. Kürzlich haben Sie das Tanzstück «drunter und drüber» (5+) der Choreografin Canan Erek dramaturgisch begleitet. Worum geht es da?
Um Gefühle und unübersichtliche Situationen, in denen man von seinen Emotionen...
Drei Abende lang hätte der «Tristan» dauern sollen. Doch John Cranko starb 1973, bevor er sein ambitioniertes Projekt in die Tat umsetzen konnte. Erhalten hat sich sein Konzeptpapier sowie eine Komposition von Hans Werner Henze aus dem Todesjahr des Choreografen, die das Thema vorbereiten sollte: «Tristan. Preludes für Klavier, Tonbänder und Orchester».
Wenn auch...
Stuttgart: Egon King Madsen Lear
Er ist erst 77 und denkt nur gelegentlich daran, irgendwann einmal abzudanken. Insofern ist Egon Madsen geradezu prädestiniert, «König Lear» auf der Tanzbühne darzustellen. Shakespeare-Erfahrung hat der gebürtige Däne ja mehr als genug. In Stuttgart tanzte er den Romeo. Den Hamlet verkörperte er in einer Choreografie John...
