Greifswald/Stralsund: Ralf Dörnen «Und die Seele unbewacht»

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Drei Abende lang hätte der «Tristan» dauern sollen. Doch John Cranko starb 1973, bevor er sein ambitioniertes Projekt in die Tat umsetzen konnte. Erhalten hat sich sein Konzeptpapier sowie eine Komposition von Hans Werner Henze aus dem Todesjahr des Choreografen, die das Thema vorbereiten sollte: «Tristan. Preludes für Klavier, Tonbänder und Orchester».

Wenn auch nur von 43 Minuten Schallplatten-Dauer, lässt die Musik genug Zeit für die ganze Geschichte. Das hat schon John Neumeier gemerkt, der sie 1982 als «Exkurs» in seinen «Tristan» einpasste.

Das weiß auch Ralf Dörnen, der darin beim Hamburg Ballett einst mitgetanzt hat. Nicht zufällig erinnert seine Arbeit an die seines Lehrmeisters, ohne sie zu kopieren: Klar ist seine Körpersprache, voller Bedeutung jede Geste, herausfordernd aller Tanz. Auf äußerliche Beweggründe kann Dörnen deshalb gut verzichten. Entsprechend karg der Bühnenrahmen, den ihm Eva Humburg gezimmert hat: ein Holzgerüst, das, obwohl abstrakt gehalten, mal an eine Burg erinnert, mal an ein Schiff. Soldatisch streng auch das Wams, das Tristan als einen Dienenden ausweist. Umso opulenter dagegen Isoldes Kostümierung: ein plissierter, goldglänzender Rock, viel zu ...

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Tanz Januar 2020
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Hartmut Regitz

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