stuttgart: Lee, Stiens, Kozielska: «Tanzlabor»

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Das «liebe Publikum» kriegt eins auf die Ohren. «Die Musik», so heißt es warnend auf dem Programmzettel, «wird für eine Dauer von ca. vier Minuten sehr laut eingespielt.» Tatsächlich fährt zwischendurch ein schwarzer Boxenturm bis an die Bühnenrampe und lässt das Schauspielhaus für kurze Zeit bis in seine Grundfesten erbeben: ein akustischer Overkill zu Techno Music von Human Resource («Fuck them») im Rahmen eines «Tanzlabors», das auch sonst die Sehgewohnheiten seiner Zuschauer ignoriert.

Damit ist nicht unbedingt das Stroboskop-Licht gemeint; eher die Rolle, die Angelina Zuccarini spielt. Im «Rausch» fallen manchmal nicht nur die Hemmungen …

«Rausch» also, das neue Ballett von Louis Stiens. Das Ensemblemitglied des Stuttgarter Ballett, zuletzt in «No Men’s Land» von Edward Clug selbst in der Opferrolle, projiziert hier seinen Generationenkonflikt auf ein Männerpaar, von dem man zunächst nicht weiß, ob es sich bei Evan McKie und Robert Robinson um Vater und Sohn, d. h. um einen ganz gewöhnlichen Ödipuskomplex handelt, oder ob die Konstellation vielmehr die innere Zerrissenheit eines Jungen thematisiert, der noch nicht seinen Weg gefunden hat. Beziehungsreich und durchweg originell ...

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Tanz Juli 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz

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