hagen: Maria Hilchenbach, Ricardo Fernando: «Der Schrank der Georgi»
32 Retro-Projekte werden derzeit mit Hilfe des Tanzfonds Erbe finanziert. Während die einen auf längst von der Tanzgeschichte nobilitierte Kult-Choreografen setzen, etwa Isadora Duncan oder Pina Bausch rekonstruieren, versucht man am finanzklammen Stadttheater Hagen risikofreudig eines der ausgefallensten Comebacks: Dort haben Choreograf Ricardo Fernando und seine Dramaturgin Maria Hilchenbach den «Schrank der Georgi» geöffnet, will sagen: nach «Yvonne Georgi» geforscht.
Es handelt sich um einen ziemlich vergessenen Ex-Star, dessen Name im Umfeld der vier wichtigsten Ausdruckstanzgrößen auftaucht: Georgi (1903–1975) war Meisterschülerin von Mary Wigman und Duopartnerin von Gret Palucca, zwei Jahre lang Solistin bei Kurt Jooss, dann umjubelte Partnerin in Choreografien mit Harald Kreutzberg. Tatsächlich wäre hier ein Schatz zu heben, nur – im Schrank, den Hilchenbach/Fernando vermutlich gründlich durchwühlt haben, finden sich zwar aufregende, winzige Fotos ihrer Auftritte und Choreografien, aber keine Notationen und nur eine einzige Tanz-Filmaufnahme: eine 1961 entstandene Aufzeichnung von «Glück, Tod und Traum» zur Komposition von Gottfried von Einem.
Das 35-minütige Ballett, das ...
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Tanz Juli 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Nicole Strecker
Dass sich das Publikum demonstrativ wegdreht, sobald einer zu tanzen beginnt. Oder dass es gar nicht erst hinschaut. Genau diese gespielte Ignoranz, sagt die berühmte Forsythe-Interpretin Dana Caspersen, ist die Hauptursache aller Konflikte. Caspersen ist ausgebildete Konfliktmanagerin und gewappnet für all die Fälle, in denen Menschen Pickel kriegen, wenn sie den...
Der Vater ist nicht ganz neu. So einer saß schon in «Le jardin» von Peeping Tom, 2001, verkörpert von Simon Versnel. Aber das Brüsseler Choreografenpaar Franck Chartier und Gabriela Carrizo rollte noch selber über den Rasen, so ein Fleckchen Grün, das einem spießigen Eigenheim eine eigene Außenwelt verspricht und das Pärchen ins jauchzend-verzweifelte Schleudern...
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jiŘí kylián
steht in einem Ballettsaal des Prager Konservatoriums und erinnert sich, wie es war, als er 1962 hierher kam, um sein Tanzstudium aufzunehmen. Draußen rauscht der Verkehr, drinnen steht ein Mann, versunken ins Gestern und zugleich bereit, seine Gedanken zu teilen. Mit dem Regisseur Don Kent und dem Fernsehpublikum, das «Jiří Kylián:...
