Stromabwärts
Seit einem Jahr sind die Theater, Opern- und Tanzhäuser fast durchgehend geschlossen – und haben auf Online umgestellt. Als neue Normalität lehnen die meisten Theatermenschen das ab. Man vermisst die physische Kopräsenz, das Live-Erlebnis, die dunklen Räume, in denen Handys ausgeschaltet werden und die Konzentration einkanalig auf die Bühne gerichtet ist. Dennoch ist in diesem pandemiegeprägten Streaming-Jahr durchaus Neues, ja Zukunftsweisendes entstanden – und Online-Pionier*innen ernten die Früchte ihrer Arbeit.
Die größte Entwicklung hat die Sprechtheater-Sparte durchgemacht, die vor der Pandemie am wenigsten über die Aufzeichnung und Ausstrahlung ihrer Produktionen nachdachte. Spätestens die zweite Welle der Pandemie zwang die Theater dazu, ihr Online-Angebot zu professionalisieren – und prompt stieg die Qualität. Einige Häuser streamten Schätze aus dem Archiv, das Gros setzte dagegen auf aktuelle Produktionen und ging von Aufzeichnungen mit nur einer Kameraperspektive zu aufwendigen Livestreams mit mindestens vier Kameras über – auch im Tanz.
«Im ersten Lockdown hat das Publikum noch alles dankbar aufgenommen, was von den Theatern improvisiert wurde, ab dem Herbst wurden ...
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Tanz April 2021
Rubrik: Screenings, Seite 42
von Sophie Diesselhorst
Das Studio gleicht einer optisch antiquierten, gleichwohl zeitgemäßen Folterkammer: vier Liegen mit Schlitten, Reformer genannt; eine weitere Liege mit Stahlgerüst namens Cadillac; dann der hölzerne Wunda Chair mit seinen Stahlfedern und Klappen; und schließlich die Tonne mit Sprossenwand, das Ladder Barrel. Außerdem dräut da noch ein Ungetüm, die «Pulley Tower...
Was für eine Musik! Eine der schönsten, die Edward Elgar jemals geschrieben hat. Hofesh Shechter lässt sich zu «Nimrod» eine ganz andere Choreografie einfallen als Frederick Ashton 1968 in seinem Evergreen «Enigma Variations». Dicht geschart, heben die Tänzer und Tänzerinnen des Nederlands Dans Theater (NDT) ganz allmählich ihre Arme, die sich nach und nach im...
Hat sich schon einmal jemand die Frage gestellt, welches Zeichen der zweite Corona-Lockdown für die nächste Künstler*innen-Generation setzt? Ich schon, denn ich weiß, wie schwierig es unter Umständen sein kann, sich selbst zu erlauben, dem eigenen Traum nachzugehen. Im letzten Jahr gab es für mich einen Wendepunkt. Nachdem ich mein Studium abgeschlossen und knapp...
