Stille
Als Teenager in New York City habe ich zum ersten Mal ein Ballett von John Cranko gesehen: «Romeo und Julia», getanzt vom Stuttgarter Ballett. Ich war elektrisiert und hingerissen; ich wollte unbedingt dieser Romeo werden, in diesem Ballett tanzen, Teil dieser Compagnie werden. Und diesem Traum bin ich – wegen ihm – gefolgt.
Die Hauptrollen in seinen Balletten zu tanzen, ist natürlich eine Herausforderung im Hinblick auf die Technik und das Partnern, aber viel mehr noch treffen sie dich direkt in dein Herz als Tänzer: seien es die letzten, verzweifelten Minuten als Romeo, als todgeweihter Lenski oder als Onegin, wenn Tatjana dir die Tür weist. Oder die Elegie im vierten Akt von Crankos «Schwanensee» – den Natalia Makarova mal als «the most beautiful» bezeichnet hat. Seine Stücke sind nicht nur «Schritte»; vielmehr spricht jedes Stück jeden Zuschauer – und jeden Tänzer, jede Tänzerin – individuell und unmittelbar an. Seine Ballette faszinieren bis heute, sie bewegen die Herzen und hellen die Seelen der Zuschauer*innen auf. Vor allem wegen ihrer Menschlichkeit.
Ich habe ihn leider nie gekannt. Ich kam 1977 – also vier Jahre nach seinem Tod – in die Compagnie. Selbstverständlich habe ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: John Cranko, Seite 47
von Tamas Detrich
Die erste Gelegenheit beim Namen Eyal Dadon aufzumerken, war der «Internationale Wettbewerb für Choreographie» 2015 in Hannover: «Pishpesh» hieß das kleine Duo, mit dem der 1989 geborene Israeli am Wettbewerb teilnahm. Und ihn gewann. Er tanzte selbst und setzte auf nichts anderes als die Wirkung einer intrikaten, hochoriginellen Bewegungssprache. Die Stile gingen...
Als Julia zum Ball schreiten will, stolpert sie schon auf der Treppe. Nein, tanzen kann diese Julia nicht. Und der Kraftprotz von einem Grafen Paris lässt ihr erst recht die Glieder gefrieren. Da trifft sie auf Romeo und wird in seinen Armen zum Schmetterling. Der schwebt und tanzt und flattert – und torkelt sich schließlich in den Scheintod. Als aber Romeo kalt...
«Er ist die große Ausnahmeerscheinung unter den Ballettschöpfern seiner Generation: ein Romantiker par excellence, ein Träumer, ein Poet, in einer Welt lebend, die von Fabelwesen und Fantasiegestalten bewohnt wird, von Harlekinen und Clowns, von weisen Narren und närrischen Weisen, von Geschöpfen, deren Seele so empfindlich ist, dass sie sie hinter Masken und unter...
