Fan Luo – Rothko Chapel - Photo: Mats Bäcker

Stijn Celis, Marcos Morau «Iconoclasm» in Göteborg

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Man kann den Bildersturm, den Ikonoklasmus, auch mal wörtlich nehmen. Um das religiöse Verbot, sich ein Bild von Gott zu machen, tanzmäßig zu bebildern, lässt sich Stijn Celis von Nicolas Musin einen leeren Bilderrahmen bauen. Der schwebt drohend über der Szene, dazu entfacht der Komponist Lorenzo Bianchi Hoesch einen ordentlichen «Storm», in dem die Tänzer der GöteborgsOperans Danskompani wie Plastiktüten im Wind umhergewirbelt werden.

Stijn Celis, hauptamtlich Tanzchef in Saarbrücken, will mit diesem Arrangement sagen: Die religiöse Raserei gegen das Bild war einst wie eine Naturgewalt. Projektionen von Philipp Contag-Lada zeigen dazu für Sekündchen von Tornados erzeugte Trümmer. Denn es gilt heute ein anderes Bilderverbot. Nie wird in den Medien das Ausmaß einer Katastrophe sichtbar, stets darf man es nur erahnen.

Der Spanier Marcos Morau, Leiter der freien Kompanie La Veronal, und sein Dramaturg Celso Giménez gehen dasselbe Thema an diesem Doppelabend etwas gescheiter an: Sie bauen auf der Opernbühne eins zu eins die «Rothko Chapel» nach. 1971 wurde das Original, ein Jahr nach dem Freitod des Malers Mark Rothko, im texanischen Houston errichtet: eine Kapelle ohne Religion. Für ...

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Tanz April 2017
Rubrik: Kalender, Seite 46
von Arnd Wesemann

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