Stela Korljan: «Mario und der Zauberer»

in Flensburg

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Zeitgenossen entdecken in Thomas Manns Novelle Mario und der Zauberer mühelos Bezüge zu heute. Als ein Stück über die Freiheit des Willens choreografierte es Stela Korljan, Ballettdirektorin vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Aus dem «Zauberer» wird der Ich-Erzähler, ein Alter Ego Thomas Manns: niemand anderes als der Generalintendant Michael Grosse, der sich als nachdenklichen und distanzierten Beobachter voll skeptischer Ironie auf die Bühne bringt. Gegen ihn haben Azat Gharibyans Kombina­tionen von Sprung- und Drehfiguren mit hohem Schwierigkeitsgrad keine Chance.

Ein Mensch ist frei, aber der Intendant in Rodinscher Denkerpose ist ihm überlegen. Thomas Mann schuf dazu einen Mitläufer, die Titelfigur Mario, der die reizende Silvestra entdeckt, die wiederum einen vollendeten Pas de deux mit dem Schriftsteller nutzt, um Mario eifersüchtig zu machen. Auf Basis dieses tödlich endenden Literaturklassikers entstand für die Bühnen des Landes­theaters eine stimmige Ballettversion mit ergreifenden Verführungs­szenen und einer sauberen Thomas-Mann-Moral im Schlussbild: «Wer zu gehorchen wisse, wisse auch zu befehlen».

 

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Tanz Dezember 2005
Rubrik: On Stage, Seite 40
von Daniela Matt

Vergriffen
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