Stela Korljan: «Mario und der Zauberer»
Zeitgenossen entdecken in Thomas Manns Novelle Mario und der Zauberer mühelos Bezüge zu heute. Als ein Stück über die Freiheit des Willens choreografierte es Stela Korljan, Ballettdirektorin vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Aus dem «Zauberer» wird der Ich-Erzähler, ein Alter Ego Thomas Manns: niemand anderes als der Generalintendant Michael Grosse, der sich als nachdenklichen und distanzierten Beobachter voll skeptischer Ironie auf die Bühne bringt. Gegen ihn haben Azat Gharibyans Kombinationen von Sprung- und Drehfiguren mit hohem Schwierigkeitsgrad keine Chance.
Ein Mensch ist frei, aber der Intendant in Rodinscher Denkerpose ist ihm überlegen. Thomas Mann schuf dazu einen Mitläufer, die Titelfigur Mario, der die reizende Silvestra entdeckt, die wiederum einen vollendeten Pas de deux mit dem Schriftsteller nutzt, um Mario eifersüchtig zu machen. Auf Basis dieses tödlich endenden Literaturklassikers entstand für die Bühnen des Landestheaters eine stimmige Ballettversion mit ergreifenden Verführungsszenen und einer sauberen Thomas-Mann-Moral im Schlussbild: «Wer zu gehorchen wisse, wisse auch zu befehlen».
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man kann in keiner Stadt wohnen, ohne sie nicht zu entdecken: Plakate annoncieren jedes Jahr zu Weihnachten den «Nussknacker». In manchen Familien gehört der Besuch dieses Lev-Ivanov-Balletts aus dem Jahr 1892 ebenso zur Vorweihnacht wie die ganze Hatz um Baum und Schmuck, Gans und Geschenke. Irgendwie erinnert die Geschichte um Marie und ihren Nussknacker ja auch...
In Amerian Ballet Theater's season of standout revivals, foremost among them is Kurt Jooss’s “The Green Table – A Dance of Death in Eight Scenes“ (1932), expertly coached by Anna Markard, Jooss’s daughter. Despite the paucity of live performances in New York, the opening/closing sequence – twelve men grandstanding around a table – is iconic to many. The characters,...
Ein Begräbniszug überquert in Urs Dietrichs neuer Choreografie «Flacon» die Bühne des Bremer Schauspielhauses. Zwei Trippelschritte vor, einer zurück. Die verschleierten Frauen in schwarzen Roben scheinen auf der Stelle zu treten – genau wie die Politiker mit ihrer Hinhaltetaktik in der Bremer Theaterkrise. Das Bild ist deutlich: Als ob mit dem Trauerspuk das...
