Statements
Matthias Lilienthal, 1992–1999 Chefdramaturg an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf, Programmdirektor für «Theater der Welt 2002» in Bonn, Düsseldorf, Köln und Duisburg. Seit September 2003 ist er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des HAU. Das Regiekollektiv Rimini Protokoll zeigt und erarbeitet kontinuierlich Produktionen am HAU ebenso wie Constanza Macras, Chris Kondek, Hans-Werner Kroesinger, Mette Ingvartsen und Jeremy Wade (u.a.).
Langjährige Zusammenarbeit mit Krzysztof Warlikowskis Novy Teatr in Warschau, Johan Simons’ NT Gent und Bruno Beltrãos Grupo de Rua de Niterói/Rio de Janeiro. Die legendären Theatertouren «X-Wohnungen» in verschiedenen Berliner Stadtteilen wurden von Lilienthal konzeptionell entwickelt und seither u.a. für Caracas, Istanbul, São Paulo, Johannesburg adaptiert. Seine Initiative, sich mit den Besonderheiten des Bezirks Kreuzberg/Neukölln zu beschäftigen, schlug sich in der Programmreihe «Beyond Belonging – Migration2» nieder, in der u.a. Nurkan Erpulat, Neco Çelik und Tamer Yi˘git inszenierten. Unter Lilienthals Leitung wurde das Haus zum «Theater des Jahres 2004» gewählt, in der Spielzeit 2008/09 kam es auf Platz 2, ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Die Kunst der Kuratoren, Seite 13
von
Natürlich könnte man jederzeit die Sinnfrage stellen: Wer braucht eine vierstündige
Dramatisierung von Falladas Wirtschaftskrisen-Panorama «Bauern, Bonzen und Bomben», wenn man in dieser Zeit schon 200 bis 300 Romanseiten lesen könnte? Wozu eine Bühnenbearbeitung dieses deutschen 30er Jahre Kleinstadt-Polit-Biotops, wenn sie doch nur ohne weitere Deutungsabsicht...
Das Verhältnis zwischen Bildender Kunst und Theater ist prekär. Zwar wird mittlerweile kaum eine Biennale oder Ausstellung ohne einen Beitrag aus dem performativen Bereich eröffnet, und auch das Theater sucht, wenn auch leidenschaftsloser, die Nähe zu Installation und neuen Medien sowie Rezeptionsformen der Kunst. Doch selten gelingen Arbeiten, in denen sich Kunst...
Heutigen Abiturienten das Paradebeispiel der deutschen Klassik, Goethes «Iphigenie», nahezubringen, ist gewiss kein leichtes Unterfangen. Denn die mythische Vorzeit durch das Menschenbild der Weimarer Klassik betrachtet, fördert viel Erhabenes, aber auch allerhand Blutleeres zutage – Ideen statt Individuen, gedrechselte Sätze und prüde Litanei. Der frisch vom...
