Staatskunst
Statt seiner schönsten Kunst, dem klassischen Ballett, zeigt uns Russland gerade ein unsagbares Trauerspiel: die Rückabwicklung einer kaum dreißig Jahre währenden künstlerischen Freiheit in die totale Abhängigkeit von einem Diktator. Alles, was seit Glasnost erreicht wurde, kassiert Vladimir Putin derzeit wieder ein. Am 1. Dezember ernannte er seinen guten Freund Valery Gergiev zum Intendanten des Moskauer Bolschoi-Theaters, dieser löst den fachlich allseits gelobten Vladimir Urin ab.
Ob dem tatsächlich sein Widerspruch gegen den Ukraine-Krieg zum Verhängnis wurde (für die Annexion der Krim hatte er 2014 noch brav unterschrieben), oder ob Gergiev einfach den Hals nicht voll kriegen kann: Es fügt sich perfekt für den einst ubiquitären Dirigenten, der alle Chefpositionen bei westlichen Orchestern und, wahrscheinlich viel schlimmer für ihn, seinen Ruf verloren hat. Einen Generalintendanten für die Opernhäuser in Moskau und Sankt Petersburg gab es zuletzt unter den Zaren.
Nun steht der Renommierbetrieb Bolschoi nicht unbedingt für russische Avantgardekunst, aber Intendant Urin und Ballettchef Makhar Vaziev hatten die Offenheit nach Westen weidlich genutzt, um moderne Farbspritzer in ...
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Tanz Januar 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Angela Reinhardt
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