Johan Inger «Schwanensee»

Dresden

Tanz - Logo

Quellenforschung schadet nie. Selbst bei «Schwanensee» nicht – Johan Inger und Dramaturg Gregor Acuña-Pohl stießen auf das Märchen «Der geraubte Schleier» von Johann Karl August Musäus, das dem Ballett mehr oder weniger als Vorlage dient. Dort wird der sogenannten «Schönheitsbrunnen» unweit Zwickaus geortet, «zwar beinahe versiegt, aber noch nicht ausgetrocknet» und in der Lage, das «flüchtige Gut der weiblichen Schönheit stet und fest zu machen». Vorausgesetzt, man gehört zur «Sippschaft der Feien» und ist im Besitz eines magischen Schleiers.

Der wird auch bei Inger von einer Gottheit verteilt, ungeachtet des Geschlechts, das heute nicht mehr dieselbe Rolle spielt wie 1895, als Marius Petipa und Lew Iwanow den Klassiker par excellence kreierten. Wie durch ein Wunder erheben sich die schwarz trikotierten Wesen wie Schwäne, ohne dafür Spitzenschuhe bemühen zu müssen: ein abstraktes Bild, das das dennoch mit wehenden Schleiern eine Welt voller Zauber imaginiert. Die Geschichte kann man als Märchen nehmen, aber sie thematisiert durchaus gegenwärtige Problemstellungen.

Das wird spätestens in der nächsten Szene deutlich, die den Königshof auf Naxos zeigt. Inger sucht hier nicht sein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2024
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Tanzschulen 1/24

Deutschland

Bad Soden
Ballettschule Ulrike Niederreiter
Dipl. Ballettpädag. Ballett/Jazz/Modern/Charakter/tänzerische
Früherziehung. Ausbildung bis zur Akademiereife. Ballettmärchen
An der Trinkhalle 2B,
D-65812 Bad Soden/Ts.,
Tel. +49-6196-22849
www.ballett-badsoden.de 

Bamberg
Tanzwerkstatt
Stätte für Zeitgenössischen Tanz
Nürnberger Straße 108 k
D-96050 Bamberg
...

Oz - Der Zauber in uns

«Am Anfang dachte ich, alles wäre zu Ende. Es riss mich mit sich ... Ich betrachtete mich von außen, unfähig, mich zu bewegen, während ich ins Unbekannte raste. Ich vergaß fast, wer ich war.» Auf der Bühne treibt ein Orkan die Tänzerin ins Unbekannte. Im Stroboskoplicht frieren Bewegungen ein, bis an unbekanntem Ort der Körper neu entdeckt werden muss. Dorothy, die...

Tiefer Atem

Man lauscht, man schaut, man bleibt hängen – und ist zutiefst berührt. Hoch oben über dem Eingangsportal im Münchner Haus der Kunst stimmt eine Videoinstallation auf das Kommende ein. Über den langsam wechselnden Bildern schwebt melancholisch eine Frauenstimme, es ist die Stimme von Meredith Monk, der Sängerin, Musikerin, Komponistin, Filmemacherin, Regisseurin und...