sommerwunder? lemi ponifasio...

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...ist der high chief bei jedem besseren Tanzfestival. Immer raunt aus ihm, einem Häuptling seiner Majestät, der englischen Königin, eine ironiefreie Rede allein an die Königin, als wäre das britische Commonwealth die Rettung seiner Heimat Samoa nach der deutschen, der US-amerikanischen und der neuseeländischen Besatzung. Ponifasio, tatsächlich ein high chief, hat in Japan und bei In­dia­­nern in Kanada gelebt. Er gibt sich als Ureinwohner und Kosmopolit.

Sein Anliegen ist die globale Gerechtigkeit, sein Thema eine diffuse Angst, die er auf der Bühne in erstarrter Symbolik tanzen lässt. Bestes Kunstgewerbe: ein geölter Alabasterkörper, ein ausgefranster Engel, dahinter eine schlurfende Mönchskolonne, die sich den Staub aus dem Rock klopft. Das hat mit Kultur nichts zu tun, mit angstbesetzer political correctness aber alles. Als Ponifasio in einem Publikumsgespräch jede Frage süffisant lachend an sich abgleiten ließ, wurde deutlich, dass er selbst es ist, der in panischer Angst vor Verortung und Festlegung dafür sorgt, dass an seiner Kunst kein Stäubchen der Geschichte hängen bleibt. Muss es auch nicht, er ist ja nichts weiter als ein globalisierter Exot.

Lemi Ponifaso zeigt «Birds ...

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Tanz August/September 2011
Rubrik: menschen, Seite 59
von Irmela Kästner

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