Soll erfüllt
Der Ursprung des Begriffs «Roboter» liegt im Tschechischen: «Robota» bedeutet hier soviel wie «Frondienst» oder «Zwangsarbeit», über die Figur des Golems kam der Ausdruck in die Prager Literatur und von dort in die Alltagssprache. Wenn in «I am Bob» von Imre und Marne van Opstal das Ensemble des Hessischen Staatsballetts roboterhaft durch das Große Haus des Darmstädter Staatstheaters stakst, dann ist entsprechend klar, dass man es hier mit einer Zwangssituation zu tun hat.
Menschen in Einheitskleidung sind hier zu sehen, die geschlechts- und charakterlos ihre Aufgabe zu erfüllen haben.
Im weitesten Sinne geht es zu Beginn des Doppelabends «Broken Bob» darum, eine Treppe auf- und abzuschreiten, angetrieben von langsamen aber unerbittlichen Industrial Rhythms. Also: Schritt nach vorn, Knie beugen, Arm heben, nochmal. Irgendwann gibt es eine Drehung, dann geht es zurück, leichte Variationen sind erlaubt, doch am Ende will das Soll erfüllt werden.
«Bob», das ist jemand wie «John Doe» oder «Max Mustermann»: kein Individuum, sondern ein Platzhalter. Wir alle sind Bob, und wir sollen gefälligst zufrieden sein, dass wir eine Aufgabe haben, die erfüllt werden will. Tatsächlich wirkt das ...
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