Soll erfüllt
Der Ursprung des Begriffs «Roboter» liegt im Tschechischen: «Robota» bedeutet hier soviel wie «Frondienst» oder «Zwangsarbeit», über die Figur des Golems kam der Ausdruck in die Prager Literatur und von dort in die Alltagssprache. Wenn in «I am Bob» von Imre und Marne van Opstal das Ensemble des Hessischen Staatsballetts roboterhaft durch das Große Haus des Darmstädter Staatstheaters stakst, dann ist entsprechend klar, dass man es hier mit einer Zwangssituation zu tun hat.
Menschen in Einheitskleidung sind hier zu sehen, die geschlechts- und charakterlos ihre Aufgabe zu erfüllen haben.
Im weitesten Sinne geht es zu Beginn des Doppelabends «Broken Bob» darum, eine Treppe auf- und abzuschreiten, angetrieben von langsamen aber unerbittlichen Industrial Rhythms. Also: Schritt nach vorn, Knie beugen, Arm heben, nochmal. Irgendwann gibt es eine Drehung, dann geht es zurück, leichte Variationen sind erlaubt, doch am Ende will das Soll erfüllt werden.
«Bob», das ist jemand wie «John Doe» oder «Max Mustermann»: kein Individuum, sondern ein Platzhalter. Wir alle sind Bob, und wir sollen gefälligst zufrieden sein, dass wir eine Aufgabe haben, die erfüllt werden will. Tatsächlich wirkt das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Falk Schreiber
Das Tanzfestival Rhein-Main zeigt die Uraufführung von Claire Cunninghams neuem Solostück «Songs of the Wayfarer» im Frankfurter Mousonturm. In ihrer Crip-Choreografie widmet sich Cunningham dem Motiv des Wanderns, inspiriert von Gustav Mahlers «Lieder eines fahrenden Gesellen».
Bevor die Wanderung beginnt, muss die Vorhersage bestimmt werden, von Performerin und...
Schemenhaft erkennt man Sportler in Anri Salas Videoinstallation «For Geranium, 2024»: gepanzerte Footballer, roboterhafte Menschmaschinen, die kurz einem Ball hinterherjagen, bevor sie wieder in der digitalen Unschärfe verschwinden. Erst nach einigen Minuten betritt die Performerin die Bühne: Lucinda Childs, 84 Jahre alt, barfuß im Arbeitsoverall, konzentriert,...
Preiswürdig
DOROTHEE MUNJANEZA, IDIO CHICHAVA
Erstmals wurde am 27. November der international höchstdotierte Tanzpreis verliehen: Dorothée Munyaneza und Idio Chichava teilen sich den mit 150 000 Euro dotierten «SEDA – Salavisa European Dance Award», verliehen von der Lissaboner Calouste Gulbenkian Foundation in Zusammenarbeit mit sechs weiteren europäischen...
