Sirenengleich
Kein Ort. Nirgends. Selbst wenn sie irgendwo Station machen, sind sie auf der Wanderschaft. Nichts hält sie. Niemand will sie haben. Der Wagen rollt. Wie ein Schatten taucht er aus der Dunkelheit der Russenhalle auf und rast, von einer Rätsche angefeuert, auf die Ränge zu. Noch kommt es nicht zur Kollision. In Potsdam brennen keine Autos. Einmal gestoppt, kippen aus dem Karren vielmehr all die Emigranten, die nichts anderes suchen als ein Fleckchen Erde, auf dem sie ihre letzte Ruhe finden. Eine Stunde lang singen sie von ihrer Sehnsucht. Eine Stunde lang klagen ihre Körper.
Getanzte Trauerarbeit: eine bewegende Geschichte.
«Sclavi» nennt sich der «Song of an Emigrant», der wenige Wochen nach der Uraufführung im Prager Svandovo Theatre beim unidram-Festival im Potsdam seine gefeierte Deutschland-Premiere erlebt – ein lateinisches Wort, das beides meint: Slawen und Sklaven. Entsprechend breit der Spielraum, den das tschechische Theaterstudio Farm in the Cave für seine Arbeit nützt. Intensiv die Vorbereitung. Im Juli 2003 schwärmten Roman Horák, Maja Jawor, Róbert Nizník, Matej Matejka, Hana Varadzinová, Eliska Vavríkova und Viliam Docolomansky erstmals in die Dörfer der Ostslowakei ...
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Werner Schroeter
war ein Star, einer der Motoren des kollektiven Coming-out: Die Party hob in den 1970ern an, sie war ein Segen, ein Karneval der Kulturen quer zu allen alten Zuweisungen des Geschlechts, der Herkunft, der sozialen Unterschiede. In Cliquen wie Schroeters erfanden sich die, die «anders» waren, in den alten Uniformen eine neue, ihre eigene Identität....
Er war eine der auffallendsten Persönlichkeiten auf allen Tanzkongressen, nicht allein seiner buschigen Augenbrauen wegen. Gedeon Dienes hatte was zu sagen, und er ergriff polyglott bei jeder sich bietenden Gelegenheit gern das Wort. Schließlich hatte er nicht nur die französische und ungarische Literatur studiert, sondern auch Jurisprudenz und Choreologie – und...
Er war ein Latin Lover, wie ihn sich eine Julia wünscht, und ein begnadeter Ballerino obendrein, für den das Tanzen eine Existenzfrage war. Fernando Bujones, 1955 in Miami als Sohn kubanischer Eltern geboren, tanzte so schwerelos und mit einer schier unfassbaren Eleganz, dass man seinem scheinbar so selbstverliebten Statement «Baryshnikov hat den Ruhm, ich das...
