Sirenengleich
Kein Ort. Nirgends. Selbst wenn sie irgendwo Station machen, sind sie auf der Wanderschaft. Nichts hält sie. Niemand will sie haben. Der Wagen rollt. Wie ein Schatten taucht er aus der Dunkelheit der Russenhalle auf und rast, von einer Rätsche angefeuert, auf die Ränge zu. Noch kommt es nicht zur Kollision. In Potsdam brennen keine Autos. Einmal gestoppt, kippen aus dem Karren vielmehr all die Emigranten, die nichts anderes suchen als ein Fleckchen Erde, auf dem sie ihre letzte Ruhe finden. Eine Stunde lang singen sie von ihrer Sehnsucht. Eine Stunde lang klagen ihre Körper.
Getanzte Trauerarbeit: eine bewegende Geschichte.
«Sclavi» nennt sich der «Song of an Emigrant», der wenige Wochen nach der Uraufführung im Prager Svandovo Theatre beim unidram-Festival im Potsdam seine gefeierte Deutschland-Premiere erlebt – ein lateinisches Wort, das beides meint: Slawen und Sklaven. Entsprechend breit der Spielraum, den das tschechische Theaterstudio Farm in the Cave für seine Arbeit nützt. Intensiv die Vorbereitung. Im Juli 2003 schwärmten Roman Horák, Maja Jawor, Róbert Nizník, Matej Matejka, Hana Varadzinová, Eliska Vavríkova und Viliam Docolomansky erstmals in die Dörfer der Ostslowakei ...
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