Eine Kinomilonga: «12 Tangos»
Buenos Aires, die Tangohauptstadt, wuchs und wuchs. Rund sechs Millionen Europäer wanderten bis 1930 ein. Heute, nach dem argentinischen Staatsbankrott 2002, schwappt die Welle zu uns zurück. Der Kölner Dokumentarfilmer und Buchautor Arne Birkenstock entdeckt unter den Auswanderern die 22-jährige Marcela Maiola: eine «sehr begabte Tänzerin», findet ihr Lehrer und Freund, der über 70-jährige Tänzer Roberto Tonet. Wie begabt sie wirklich ist, sehen wir nicht. Erst im Abspann ist sie aus Paris zurück, hofft nun auf ein Visum in die USA.
Europa ernährt die Tangolehrer nicht, obwohl Tango bei uns boomt, solang die Haushalte auf dem Rücken der Armen saniert werden. In Argentinien bringt aber nicht mal ein Monat Unterricht das Geld für ein paar neue Tanzschuhe, sagt Marcela. Dann ist sie fort. Die Kamera sieht zu, wie eine nicht näher vorgestellte Mutter ihre Kinder verlässt, um sie künftig von Spanien aus als Putzhilfe zu ernähren, aber Tango findet der Film nur noch im charmanten Witz des alten Tänzers Roberto Tonet, der 100 000 Dollar Ersparnisse beim «Corralito» verlor, als Argentinien die Bankguthaben zugunsten des Weltwährungsfonds einfror. Man sieht um ihn herum größer und größer ...
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Je mehr sich das Publikum selbst bewegt, desto kürzer scheint der Abend. Satte zwei Pausen in anderthalb Stunden und dazu eine unernst gemeinte Gymnastikübung («Legen Sie Ihren Kopf auf die Schulter Ihres Nachbarn»): Schuld ist die 1963 entstandene Pantomime des Komponisten Franco Evangelisti, «Die Schachtel». Sie dauert keine halbe Stunde. Auch der danach...
Er war ein Latin Lover, wie ihn sich eine Julia wünscht, und ein begnadeter Ballerino obendrein, für den das Tanzen eine Existenzfrage war. Fernando Bujones, 1955 in Miami als Sohn kubanischer Eltern geboren, tanzte so schwerelos und mit einer schier unfassbaren Eleganz, dass man seinem scheinbar so selbstverliebten Statement «Baryshnikov hat den Ruhm, ich das...
Igor Strawinsky hat uns seinen «Sacre du printemps» doppelt hinterlassen: in der originalen Orchesterfassung und in einer weniger bekannten Version für zwei Klaviere, die gelegentlich von Choreografen zum Vergleich herangezogen wurde. Auch Martin Stiefermann tut das. Aber er opfert nicht wie seine Kollegen (Uwe Scholz vielleicht ausgenommen) am Ende die eine...
