Sinn für Richtung
Sinn für Richtung. Oder Wissen um die Richtung? Auch Wesen der Regie. «A sense (essence) of direction» ist mehrdeutig. Für Choreografen und Lebenskünstler formuliert der Satz ein Überlebensprinzip. Doppelsinnige, dialektische, irreführende und Markierungen setzende Botschaften adressieren Thomas Plischke und Kattrin Deufert an die Zuschauer in ihrer auf Kampnagel uraufgeführten Klang-, Körper- und Tanz-Installation «Anarchiv #1: I Am Not a Zombie».
Die Anarchisten gegen konventionelles Tanztheater und ihre Koperformer – der skurril spillerige Dramaturg Jeroen Peeters (Brüssel) und der philosophierende, gedanklich wendig Haken schlagende Rhetoriker Marcus Steinweg (Berlin) – locken sie in das Archiv ihrer Begriffsnetze und Bewegungscodes, nehmen sie mit in ein choreografisches Labyrinth. Auf einen Tanz über den vermeintlich festen Boden dessen, was wir (gewohnheitsmäßig, uns fragliche Sicherheit vortäuschend) Subjekt, Kunst oder Realität nennen.
Tappen im Dunklen. Die Unschuld der nackten Körper. Langsam nehmen die Schatten Gestalt an, erobern sich den Raum. Dann hängen die Performer unter dem matt leuchtenden «Himmelszelt» Tafeln mit Wörtern und Sätzen in das Gespinst von Fäden. ...
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Als in den 1970er Jahren einer über das Kuckucksnest flog, regnete es Oscars. Milos Formans Film nach dem Roman «One Flew Over the Cuckoos’s Nest» von Ken Kesey traf den Zeitgeistnagel auf den Kopf. Antiautorität und Psychiatriekritik waren salonfähig. Die Zeiten, da man für Lobotomie einen Nobelpreis bekam, waren zwar vorbei, doch der Elektroschock galt, trotz...
Am 18. Mai 1909 wurde im Théâtre Châtelet die Saison Russe mit dem «Pavillon d'Armide» eröffnet: kein Ballett gab die Visionen Diaghilews sichtbarere Gestalt als jenes Drame chorégraphique en un acte et trois tableaux eines gewissen Mikhail Fokine. John Neumeier spricht von einem «unglaublichen Erfolg», die das Werk erfahren habe, von einer «regelrechten...
Die zierliche Gestalt, die das Fotoarchiv des Palais Garnier betritt, in dem sich Abzüge aus den letzten achtzig Jahren stapeln, ruft in der Besucherin sofort ein Bild wach: Duponts entwaffnende Schönheit erinnert an die ebenmäßig ernsten Züge der jungen Romy Schneider. Straff zurückgenommene dunkelblonde Haare lenken den Blick auf große, sprechende Augen und...
