Siegal, Inger, Clug «Kontraste» in Dortmund
Sie sind an diesem Abend immerzu ein bisschen in Schieflage, die Tänzer des Dortmunder Balletts. Egal, ob sie als Kampftanzmaschinen von Richard Siegal auf Spitzenschuhen die allerschrägsten Balancen riskieren. Oder als Johan Ingers Hobos und Clowns zu kratzigen Tom-Waits-Balladen durch nächtlich-verrauchte Clubs taumeln. Oder schließlich als merkwürdig aus der Zeit gefallenes Kollektiv in cremeweißen Oma-Nachthemdchen dicht gedrängt und windverweht aneinanderlehnen.
Edward Clug bringt es in seiner Choreografie «Hora» mit seinem sekundenlang ausgehaltenen Anfangsbild auf den Punkt: Konventionen werden liebevoll ein bisschen verrückt, ins Schrullige, ins Extreme.
Drei starke choreografische Handschriften zeigt das Ruhrpott-Ensemble von Direktor Xin Peng Wang unter dem Sammelbegriff «Kontraste» (aber wem fallen schon gute Titel für mehrteilige Abende ein?). Beim 2012 entstandenen Erfolgsstück «Unitxt» präsentieren sich die Tänzer nach anfänglicher Steifheit doch überzeugend als Richard-Siegal-Darlings: sexy-aggressive Highspeed-Snobs, die lustvoll die vom Forsythe-Stil geprägten Vertracktheiten zelebrieren. Die weiblichen Luxuskörper hat Industriedesigner Konstantin Grcic ...
Am 9. und 22. April
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Tanz April 2017
Rubrik: Kalender, Seite 37
von Nicole Strecker
Spezialisten sagen, dass Shakespeares «Titus Andronicus» noch kein «echter» Shakespeare ist. Weil am Ende die Bühne von Leichen übersät ist, aber die Mörder nicht an ihren Taten zerbrechen – wie sonst bei Shakespeare. Hier nicht. Hier wird nur gemordet.
Genau dieser Exzess interessiert den Choreografen Tarek Assam, der ein «Machtspiel» mit deutlichen...
Saburo Teshigawara lacht, als ich ihn mit meiner Einschätzung konfrontiere, er müsse der mit Abstand meistbeschäftigte Choreograf auf diesem Planeten sein. Drei Premieren hatte er allein im Februar – in Nantes, Martigues und Paris. «Ich arbeite immer an mehreren Stücken gleichzeitig, derzeit an fünf oder sechs.» Dann scherzt er: «Ich könnte jeden Monat ein Stück...
Man hat seinen Sitzplatz noch nicht gefunden im Theater, da riecht es schon nach Provokation: beißender Tabakgeruch verpestet die Luft, der «Duft des Todes», wie es später heißt. Denn die fünf Grazien, die auf Jochen Rollers rotlichtgefluteter Bühne auf- und abschlendern, sich die Nylonstrümpfe hochrollen und die Handtäschchen schwenken wie Bordsteinschwalben aus...
