Sidi Larbi Cherkaoui: "Myth"
Sidi Larbi Cherkaoui,
zehn Tage vor der Premiere montieren Sie noch die Flut an Material, die Ihre 14 Tänzer angeliefert haben, dazu sieben Musiker, also 21 Performer: Das ist nicht zufällig die Anzahl Karten, die man beim Tarot braucht? Worum geht es in «Myth»? Genau wie die meisten Menschen habe ich eine Anzahl an Leichen in meinem mentalen Keller, mit denen ich ins Reine kommen muss. Dieses Stück handelte anfänglich von Traumata. Arbeit am Stück ist für mich ja immer auch eine Art der persönlichen Psychotherapie.
Ein Trauma ist ein Ereignis, das so unüberwindbar scheint, dass man stets zu dem Moment «vor dem Ereignis» zurück möchte. Das drohte dann wirklich sehr schwer und schon zu persönlich zu werden. Darum habe ich mich dem Thema über einen anderen Weg genähert: die Mythologie. Jeder kann im einen oder anderen Mythos seine eigene Problematik gut erkennen. Indische und griechische Mythen drängen keine Moral oder kein Urteil auf, sondern zeigen das Ereignis, das über jemanden hereinbricht, wenn man bestimmte Entscheidungen trifft. Das Erkennen ist eine Form der persönlichen Genesung: Du spürst, dass du nicht allein bist mit einer Frage oder einer Emotion. Unsere Kultur ist ...
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Party talk stays always the same», schrieb die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein. Sie hat Recht. Übers Wetter redet man schon immer, wenn man Wichtigeres nicht sagen möchte. Und gern über Abwesende, wobei gilt: Der oder die Abwesende ist nicht persönlich gemeint; man unterhält sich über Pina Bausch nur (S. 26) um auszuloten, was man gemeinsam denkt....
In all Deinen Stücken spielen Eigennamen eine große Rolle. Jérôme Bel hat 1995 den Diskurs über den Körper «Jérôme Bel» eingeleitet. In «Le dernier spectacle» (1998) wurden mehrere Eigennamen wie André Agassi oder Susanne Linke verwendet, die alle, neben einem bestimmten Kostüm, das sie kennzeichnete, mit einer eigenen Bewegung verbunden wurden. In all diesen...
