Sidi Larbi Cherkaoui: "Myth"

Wien

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Sidi Larbi Cherkaoui,
zehn Tage vor der Premiere montieren Sie noch die Flut an Material, die Ihre 14 Tänzer angeliefert haben, dazu sieben Musiker, also 21 Performer: Das ist nicht zufällig die Anzahl Karten, die man beim Tarot braucht? Worum geht es in «Myth»? Genau wie die meisten Menschen habe ich eine Anzahl an Leichen in meinem mentalen Keller, mit denen ich ins Reine kommen muss. Dieses Stück handelte anfänglich von Traumata. Arbeit am Stück ist für mich ja immer auch eine Art der persönlichen Psychotherapie.

Ein Trauma ist ein Ereignis, das so unüberwindbar scheint, dass man stets zu dem Moment «vor dem Ereignis» zurück möchte. Das drohte dann wirklich sehr schwer und schon zu persönlich zu werden. Darum habe ich mich dem Thema über einen anderen Weg genähert: die Mythologie. Jeder kann im einen oder anderen Mythos seine eigene Problematik gut erkennen. Indische und griechische Mythen drängen keine Moral oder kein Urteil auf, sondern zeigen das Ereignis, das über jemanden hereinbricht, wenn man bestimmte Entscheidungen trifft. Das Erkennen ist eine Form der persönlichen Genesung: Du spürst, dass du nicht allein bist mit einer Frage oder einer Emotion. Unsere Kultur ist ...

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Tanz Juli 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 42
von Pieter T'Jonck

Vergriffen
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