Sidi Larbi Cherkaoui: "Myth"

Wien

Tanz - Logo

Sidi Larbi Cherkaoui,
zehn Tage vor der Premiere montieren Sie noch die Flut an Material, die Ihre 14 Tänzer angeliefert haben, dazu sieben Musiker, also 21 Performer: Das ist nicht zufällig die Anzahl Karten, die man beim Tarot braucht? Worum geht es in «Myth»? Genau wie die meisten Menschen habe ich eine Anzahl an Leichen in meinem mentalen Keller, mit denen ich ins Reine kommen muss. Dieses Stück handelte anfänglich von Traumata. Arbeit am Stück ist für mich ja immer auch eine Art der persönlichen Psychotherapie.

Ein Trauma ist ein Ereignis, das so unüberwindbar scheint, dass man stets zu dem Moment «vor dem Ereignis» zurück möchte. Das drohte dann wirklich sehr schwer und schon zu persönlich zu werden. Darum habe ich mich dem Thema über einen anderen Weg genähert: die Mythologie. Jeder kann im einen oder anderen Mythos seine eigene Problematik gut erkennen. Indische und griechische Mythen drängen keine Moral oder kein Urteil auf, sondern zeigen das Ereignis, das über jemanden hereinbricht, wenn man bestimmte Entscheidungen trifft. Das Erkennen ist eine Form der persönlichen Genesung: Du spürst, dass du nicht allein bist mit einer Frage oder einer Emotion. Unsere Kultur ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 42
von Pieter T'Jonck

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das ich als Tänzer: Maurice Béjart

«Madame Bovary – das bin ich», sagte Flaubert. Könnte auch Maurice Béjart sagen. Wer immer in seinem Werk auftaucht, ist auch Maurice Béjart. In vielen seiner Ballette inszeniert er sich sogar unverblümt als Ich. Schon in «Gaîté parisienne» (1978) tritt er in Gestalt des jungen Bim auf, der sich nach Paris aufgemacht hat, um dort seine Ausbildung als Tänzer zu...

Ben J. Riepe: "Happy End - Dealing Night Again"

Oben oder unten? Im All oder im gemauerten Gewölbe? Sind es Aliens auf Drogen oder verstörte Kellerkinder, die da entrückt durch den Raum gleiten und ins Leere starren? Nichts von allem. Wir blicken ins Universum der Phantasmagorie, visualisieren Hirngespinste, die das Unbewusste im Traum auf die Reise schickt. Der junge Folkwang-Absolvent Ben J. Riepe hat sie in...

People come and go

Party talk stays always the same», schrieb die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein. Sie hat Recht. Übers Wetter redet man schon immer, wenn man Wichtigeres nicht sagen möchte. Und gern über Abwesende, wobei gilt: Der oder die Abwesende ist nicht persönlich gemeint; man unterhält sich über Pina Bausch nur (S. 26) um auszuloten, was man gemeinsam denkt....