Der Choreo-Biograf: Rachid Ouramdane
Superstars von heute sind medial geklonte Unterhaltungs-Avatare, die in ein noch reales Second Life vorstoßen und dafür ihre Persönlichkeit aus dem ersten Leben an der Garderobe abgeben. Rachid Ouramdane dreht das Prinzip einfach um. Die tiefgründigsten und verletzlichsten Persönlichkeiten am Lyon Opéra Ballet ernennt er zu seinen Superstars. Ein Tänzer ist ein Tänzer ist ein Tänzer… und doch auch ein Mensch, der seine Geschichte hat. Der Privatmensch vor und neben der Karriere.
Was projiziert er aus diesem Leben auf die Bühne, wenn er sich dort so bewegen darf, wie er gewachsen ist? Hinter jedem Tänzer steckt eine Person, eine Kindheit, ein Herkunftsland. Und woher stammst du?
Das ist die Frage, die sich alle Einwandererkinder anhören müssen, selbst wenn sie hier geboren sind. Ein Grund, warum sich Ouramdane, Sohn algerischer Eltern, für die Lebensgeschichten der Tänzer interessierte, denen er im Ensemble des Opernballett in Lyon begegnete. Einer erlebte die Perestroika in Russland, der andere Solidarnósc in Polen, ein anderer revolutionäre Attitüden in Guatemala. Das Spiel der Identität von Ballerinen spielten schon einige mit großem Erfolg, wie Jérôme Bel mit Véronique Doisneau ...
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