Lucia Lacarra

Lucia Lacarra, die Startänzerin am Bayerischen Staatsballett, ist Diplomatin und Künstlerin in einem. So einer begegnet man nur in virtuellen Dimensionen. Oder man wartet so lang wie Katja Werner, um der Monarchin als Nachbarin näher zu kommen

Tanz - Logo

Ich jage ein Phantom. Seit Tagen, Wochen. Halte mich am Telefon zur Verfügung. Starre nervös auf mein elektronisches Postfach. Vergesse zu essen. Stattdessen unternehme ich endlose Streifzüge im virtuellen Dschungel.

Was steht da über sie? Sie sei «transparent», «irreal», «übernatürlich», «entrückt», «ephemer», «ideal», «eine Verlockung», «die reine Perfektion», «eine Vision», «a tease» – aber soll mich das beruhigen, dass bloggende Fans vor Suchtgefahr warnen? Dass sie, Lucia Lacarra, in ihrer Unfassbarkeit nichts von ihrer Anziehung verliert, wie eine Fata Morgana, betörend und grausam gleichgültig? Da, ein Fetzen. Drei Minuten zweiundvierzig auf YouTube, ein Rettungsanker. Wenn ich ihr Abbild hier finde, heißt das, es gibt sie wirklich? Natürlich nicht, Dummchen. Oder gibt es Dracula, King Kong, McGuffin, Dornröschen? Dunkle Gedanken; nur jetzt den Mut nicht verlieren.

Noch einmal gehe ich in die Offensive. Meine Anfragen bleiben unbeantwortet oder die Antworten ausweichend. Am einundzwanzigsten Tag packt mich die Angst vor dem schieren Nichts. Ich habe sie erst neulich auf der Bühne gesehen. Aber nur kurz; viel zu tanzen gibt es ja für das verwunschene Dornröschen nicht. Wenn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2007
Rubrik: Portrait, Seite 50
von Katja Werner

Vergriffen
Weitere Beiträge
3 ballerinas take the next step

Heather Jurgensen

Heather Jurgensen, die amerikanische Ballerina aus der Schule George Balanchines und des New York City Ballet – seit 1989 in der Kompanie ihres Landsmanns John Neumeier – prägte mit ihrer hell leuchtenden Bühnenaura, ihrer in doppeltem Sinn herausragenden, wandlungs­fähigen Persönlichkeit und nicht zuletzt durch fein geschliffene Kontur und...

Urs Dietrichs «Infini»

Tödlich erschrocken stürzt die Frau durch den Zuschauerraum auf die Bühne, trommelt in wilder Angst gegen den eisernen Vorhang. Der öffnet sich. Dunkel verschlingt sie. Auch Kunst vermag nicht Trost oder Zuflucht zu spenden. Sie ist rachenartig, ein schwarzes Loch. Speit Menschen aus und saugt sie wieder auf. Mit «Infini» nimmt Urs Dietrich seinen Abschied als...

«Die Tempeltänzerin» von Terence Kohler

Knarzende Türen, leiernde Tonbandaufnahmen, der umgekippte Kopf einer Götterstatue und düstere Schattenspiele: Beginnt so ein klassisches Ballett, noch eins nach Marius Petipas berühmter «Bayadère»? Es liegt nah in diesem wehen Anfang von Terence Kohlers «Die Tempeltänzerin», den Verweis auf eine rostige Vergangenheit zu sehen. Zudem Cineastisches in der Luft...