Sidi Larbi Cherkaoui
Sidi Larbi Cherkaoui wurde 2008 von den Kritikern dieser Zeitschrift zum Choreografen des Jahres gewählt. Das sehen andere auch so. Die Hamburger Alfred-Töpfer-Stiftung ehrt den Meister aus Antwerpen mit dem Kairos-Preis, benannt nach dem griechischen Gott des «rechten Augenblicks». An die damit verbundenen 75 000 Euro sind keinerlei Bedingungen geknüpft. Für Cherkaoui ist es «das geschenkte Gefühl, auch mal Pause machen zu dürfen».
Der Belgier, der sich als malender Tänzer begreift und im Moment mit einer Bruderschaft von Shaolin-Mönchen in «Sutra» um die Welt tourt, schuf zuletzt intelligent betörende Choreografien fast im Monatstakt. «Myth», «Apocrifu» und «Origine» gingen der Frage nach der Religion, ihrer Rolle in der Geschichte und der ewigen Wiederkehr des Gleichen nach. Der 32-Jährige, der stets selbst auf der Bühne agiert und die Mär vom unsichtbaren Choreografen Lügen straft, gehört nun ebenso zur Tanzgeschichte wie die Preisträger vor ihm, Mats Ek, Pina Bausch, Matthew Bourne, Jirí Kylián und Dame Margot Fonteyn. Die Verleihung findet am 15. Februar im Deutschen Schauspielhaus Hamburg statt.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein warmer Wind weht in Tel Aviv, der ehemals weißen Stadt der Träume zionistischer Großväter. Heute ist es trotz allem ein Sehnsuchtsort für Lebenshungrige aus aller Welt, die ihr Vergnügen am Grenzweg zwischen subakuter Gefahr und kollektiver Entspanntheit suchen. Das Meer ist überall nah, früh bricht die Dämmerung herein, jede Straße ist erfüllt von Lärm –...
Jan Fabres jüngstes Werk, «Orgy of Tolerance», beginnt mit einer brutalen Szene. Zwei Frauen und zwei Männer treten in altmodisch-weißer Männerunterwäsche auf, dazu tragen sie eine Kappe, schreiend bunte Socken und Lacklederschuhe. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, weder in diesem demütigenden Kostüm noch bei dem, was jetzt auf sie zukommt.
Ein...
«Im Alter von 13 Jahren wurde ich wie jeder jüdische Junge ein Bar-Mizwa. Bar-Mizwa ist das Ritual, in dem der Junge seine Reife zur Religion feiert und in die Gemeinschaft eintritt. In meinem Fall wurde das Ereignis nicht in einer Synagoge, sondern in einem kleinen Park zwischen zwei lauten Straßen gefeiert, mitten im Zentrum von Tel Aviv. Es gab jede Menge totes...
