Anna Konjetzky
Anna Konjetzky
«Tagebuch … si un jour tu décides de partir»
Sahra Huby bückt sich, nimmt die Beine in die Hand und hüpft. Zweimal. Dann fällt sie um. Sie richtet sich auf, nur halbhoch, versucht es wieder. Humpeln, trippeln, mehr wird das nicht. Und wieder kippt sie um. Wer weiß, was da schiefgeht. Madeleine Fournier, keine drei Meter weiter, kauert am Boden, Hände vors Gesicht gepresst, rührt sich nicht. Ist sie überhaupt hier? Jetzt wälzt sie sich ein bisschen, hält sich dann die Ohren zu. Im Hintergrund klabautert der Kontrabass von Peter Jacquemyn.
Und Huby krümmt sich und hält sich den Bauch. So wurschteln sie vor sich hin, jeder in seiner unsichtbaren Kammer. Irgendwelchen internen Impulsen folgend. Mal energisch und wild, dann klein und verzagt bewegen sie sich. Und fühlen sich offenbar allein. Dann wird der Kontrabass laut und wütend. Die Tänzerinnen robben rittlings aneinander und probieren den Kontakt. Tentativ, dann rabiat. Näher bringt sie selbst das simulierte Kopulieren nicht. Zurück also in den Autismus. Das ist «Tagebuch … si un jour tu décides de partir». Die ungeselligste aller Tätigkeiten steht hier wohl für das Gefängnis Ich. Qualvolle Einsamkeit.
Einsam bedeutet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jan Fabres jüngstes Werk, «Orgy of Tolerance», beginnt mit einer brutalen Szene. Zwei Frauen und zwei Männer treten in altmodisch-weißer Männerunterwäsche auf, dazu tragen sie eine Kappe, schreiend bunte Socken und Lacklederschuhe. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, weder in diesem demütigenden Kostüm noch bei dem, was jetzt auf sie zukommt.
Ein...
Sein Name wurde schon genannt, noch bevor Dominique Meyer (derzeit am Théâtre des Champs-Elysées in Paris) zum neuen Wiener Staatsoperndirektor ausgerufen wurde. Jetzt ist fix: Manuel Legris, der die Staatsoper von seinen Auftritten als Tänzer kennt, wird Meyers neuer Ballettdirektor. Nicht zuletzt gab die enge Zusammenarbeit des heute 44-jährigen Tänzers mit...
Eonnagata ist die Verschmelzung des Namens von Charles de Beaumont, bekannt als Chevalier d’Éon, einst ein berühmter Spion und Transvestit, der für sein Spionieren in Russland berüchtigt wurde, und onnagata, die uralte Kabuki-Technik, bei der männliche Schauspieler auf hoch stilisierte Weise weibliche Rollen spielen.
«Sylvie Guillem und ich bewundern beide schon...
