Sidi Larbi Cherkaoui

Die ganze Wahrheit: In Brüssel kennt sie der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui. Arnd Wesemann berichtet über dessen triumphalen Erfolg mit «Apocrifu»

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Sidi Larbi Cherkaoui erschuf das Universum im Jahr 2000. Mit seinem «Rien de rien» begann der erste Tag. Aus dem Nichts entstand die Religion. Und siehe, da es nur einen Schöpfer, aber unzählige Weisen zu glauben gibt, sahen Gott und Sidi Larbi Cherkaoui, dass der Glaube der Vater aller Kriege ist.

So geschah es, dass der marokkanische Sohn einer belgischen Mutter bereits ein Jahr vor dem New Yorker Terroranschlag das Mysterium der Religionskriege entdeckte, um fortan etwa mit «Tempus fugit» oder zuletzt in «Myth» den Widerstreit der Kulturen im Namen des rechten Glaubens zu seinem Thema zu machen.

Den Kontinent des Religiösen studiert er seither in dessen immerwährendem Widerstreit mit der Globalisierung und dem Welthandel: als Kreuzzug und Jihad. Wie Schätze hebt Sidi Larbi Cherkaoui die Religionen, die den Drang torpedieren, mit der ganzen Welt einen Handel zu schließen. Es gibt keine globalisierte Religion, ihr Todfeind ist die grenzenlose Wirtschaft. Cherkaoui entführt dazu doppelsinnig in ein imaginäres Mittelalter, ähnlich seines ebenfalls aus Antwerpen stammenden Landsmanns Jan Fabre, um die scheinbar finster fernen Beweggründe des Glaubens zu tanzen – also das zu tun, was ...

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Tanz November 2007
Rubrik: Premiere, Seite 32
von Arnd Wesemann

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