Shantell Martin

Meisterin der schwarzen Linie. Von Marina Dafova

Tanz - Logo

Shantell Martin zeichnet auf allem: auf Flugzeugen, auf Stoff, auf Schuhen, auf Häuserwänden, auf Körpern. Sie zeichnet mit einem flachen, schwarzen Marker auf weißem Grund, fast immer großflächig. Eine bemerkenswerte Leinwand für ihre Kunst war im vergangenen Winter das Lincoln Center in New York, Sitz des New York City Ballet (NYCB). Seit 2013 lädt die Art Series des NYCB zeitgenössische Künstler zu einer großformatigen site-spezifischen Installation ein. Diese Serie, konzipiert um neue Zuschauer zu rekrutieren, ist laut Kompanie ein kommerzieller Erfolg.

Die britische Künstlerin, die ihre Karriere als VJ (visual jockey) in Mega-Clubs in Tokio begann, arbeitet sich im kreativen Prozess von innen nach außen. Auch hier: Intensive Gespräche mit Tänzern über ihren Beruf, über Verletzungen geben ihr einen intimen Einblick. Sie besucht Proben, zeichnet live dabei. Die Energie der tanzenden Körper verwandelt sie in fließende dynamische Linien, sie winden sich, unterbrechen sich, wie zufällig formen sie Gesichter, Körper, Text («JOY», «STRENGTH»). Sie strömen schließlich auf den weiß ausgelegten Boden des Foyers des David H. Koch Theater. Das kühne, monochrome Ergebnis heißt «Finding Your ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2019
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Marina Dafova

Weitere Beiträge
Paris: Mats Ek «Carmen», «Another Place», «Boléro»

Abstinenz von der Bühne? Kein Dauer-zustand für den 74-jährigen Choreografen Mats Ek, wie er kürzlich verriet (tanz 6/19). Das Gleiche gilt für die Chefin des Pariser Opernballetts, Aurélie Dupont, die sich 2015 offiziell vom Palais Garnier verabschiedet hat. Um nur Monate später das Kommando zu übernehmen, als Ersatzfrau für den demissionierten Vorgänger Benjamin...

Tanzen, um zu überleben

Deborah Hay hat eine einnehmende Stimme. Sanft im Ton, klar in der Sprache. Sie kann bestimmend werden, wenn es um ihre Überzeugungen geht; ungeduldig, wenn sie jemand mit 08/15-Fragen langweilt. Rumschwafeln, Allgemeinplätze austauschen – Zeitverschwendung. Sie gehört zu den Künstlern, die schnellen Antworten misstrauen- und lieber schweigen, noch einmal...

Gewinner: Oscar Buthelezi

Oscar Buthelezi erhielt 2016 als erster Afrikaner den mit 10 000 Euro dotierten «Kurt-Jooss-Preis» der Stadt Essen für sein Duett «Road» – eine Ehre, die in diesem Jahr der chinesischen Folkwang-Absolventin Chun Zhang mit «Being far away from» zuteil wurde. Buthelezi trat dafür beim Wettbewerb «choreography 33» in Hannover an. Wieder hat er gewonnen: den ersten...