Shakespeares Schwäne
Kaum vorstellbar, dass dieser Mann jemals schläft. Seit er Ende Februar 2022 als Zeichen seines Anti-Kriegs-Protests Moskau Knall auf Fall verließ und eine mit dem Bolschoi bereits halb erarbeitete «Bach»-Kreation in den Wind schrieb, ist Alexei Ratmansky scheinbar pausenlos unterwegs – digital oder analog.
Mit der neu gegründeten, in Den Haag ansässigen ukrainischen Exilkompanie studierte er seine «Giselle» von 2019 ein, beim Pacific Northwest Ballet brachte er die Uraufführung «Wartime Elegy» auf die Bühne, dem Bayerischen Staatsballett übergab er kurz nach Putins Überfall auf die Ukraine jene «Pictures at an Exhibition», die 2014 fürs New York City Ballet entstanden sind. In den ersten Wochen des Krieges profilierten sich Ratmanskys Social-Media-Kanäle als die wichtigsten Polit-Plattformen der Tanzwelt. Mit jedem Monat, der ins Land zog, kondensierte der Künstler seine Bilder und Botschaften, ließ aber in der Öffentlichkeit keinen Zweifel daran, wo und für wen sein Herz schlägt: Nirgends fand eine Premiere statt, ohne dass der Choreograf beim Schlussapplaus die ukrainische Flagge flattern ließ.
Was im Osten geschieht, trifft die Lebensader des 54-Jährigen: Ukrainisch verwurzelt ...
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Tanz 4 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Dorion Weickmann
Wir schreiben das Jahr 1972, Westdeutschland. Unlängst ist die Zeitschrift «twen» eingegangen, obwohl oder weil sie sich gegen die Prüderie der Nachkriegszeit aussprach. Es dauert noch sechs Jahre, bis das «konkursbuch» in Tübingen für eine befreite Sexualität kämpfen wird. Und noch einmal zwei Jahre später folgen Periodika wie «Sexualität konkret». Homosexualität...
Dackelkacke im Gesicht einer Kritikerin – was haben Sie gedacht, als Sie davon gehört haben?
In meiner Wahrnehmung ist das ein Einzelfall und das, was anschließend daraus gemacht wurde, deckt sich überhaupt nicht mit dem Bild, das ich von der Tanzszene habe. All die positiven Entwicklungen geraten bei so einem Skandal natürlich in den Hintergrund. Das finde ich...
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