Druck im System
Dackelkacke im Gesicht einer Kritikerin – was haben Sie gedacht, als Sie davon gehört haben?
In meiner Wahrnehmung ist das ein Einzelfall und das, was anschließend daraus gemacht wurde, deckt sich überhaupt nicht mit dem Bild, das ich von der Tanzszene habe. All die positiven Entwicklungen geraten bei so einem Skandal natürlich in den Hintergrund. Das finde ich ärgerlich.
Welche positiven Entwicklungen meinen Sie?
Ich habe mich vor neun Jahren selbstständig gemacht.
Damals waren Themen wie Gesundheitsmanagement oder Coaching in der Kulturwelt noch völlig abseitig. Das galt als skurril. Aber in den letzten vier, fünf Jahren wurden diese Methoden mit einer Vehemenz in die Tanzlandschaft gepflanzt, die mich selbst überrascht hat. Das fängt beim Bühnenverein an, der einen «Wertebasierten Verhaltenskodex» publiziert hat. Die Auseinandersetzungen an den Häusern werden heute ganz anders geführt, einige davon habe ich begleitet. Sie bauen Konfliktlotsen auf, setzen manchmal auch interne Mediator*innen ein. Es gibt die Vertrauensstelle Themis gegen sexuelle Belästigung und Gewalt. Das ensemble-netzwerk und die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger hat die Erhöhung der Mindestgage für ...
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Tanz 4 2023
Rubrik: Kunst und Kritik, Seite 50
von Nicole Strecker
Hannover
OSTERTANZTAGE
Das Staatsballett Hannover dürfte sich freuen, dass es nach den Schlagzeilen (S.48 ff.) jetzt einfach mal wieder zur Sache geht, sprich: zur Kunst. Die «OsterTanzTage» in der niedersächsischen Landeshauptstadt warten nicht nur mit einem hauseigenen Ballettabend auf, sondern mit der «Matthäus-Passion 2727», die als interreligiöse,...
Es ist ein Heimspiel, das Marco Goecke am 11. Februar zu absolvieren hat. An der Staatsoper Hannover geht die Premiere «Glaube – Liebe – Hoffnung» über die Bühne, mit Choreografien von Medhi Walerski, Guillaume Hulot und Goecke selbst, seit 2019 Ballettdirektor des Hauses. In der ersten Pause trifft Goecke auf die Tanzkritikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung,...
Esther Boldt, wir kennen uns schon lange, wir sind per Du – auch in diesem Gespräch, nicht als kumpelige Distanzlosigkeit, sondern als gelebte Sprachpraxis. Esther, mir wurde mal von einem Künstler vorgeworfen, dass er die ganze Arbeit macht, während wir Kritiker*innen nur beschreiben würden, was er im Vorfeld geleistet habe …
Den Eindruck teile ich nicht. Mein...
