Serie: Abschwellende Angst: 3. Theater ohne Publikum
Corona hat es an den Tag gebracht – wir haben Angst. Wir gehen auf Distanz, schrecken körperlich zurück vor dem, was wir nicht sehen. Die Angst macht der Politik längere Arme, als ihr zustehen und hebt die Wissenschaft in den Stand einer politischen Macht. Unsere Serie will zeigen, welche Rolle der Tanz spielt in den Wissenschaften, die alle mal gegründet wurden, um die Angst zu besiegen.
Je größer ein Theatergebäude, desto unwahrscheinlicher, dass es in alter Größe bald wiedereröffnet.
Und wenn es öffnet, dann nur unter Missachtung des ersten Gebots aller Theater: dass ein Erfolg sich allein am Interesse des Publikums messen lasse. «Platzausnutzung» heißt das Zauberwort. Es scheint auf einmal keine Rolle mehr zu spielen, so, als schaffe das Virus Platz für eine Frage, die das Theater schon vor hundert Jahren umtrieb, damals, als andere Schocks einsetzten, als sich Sport und Kino als Großveranstaltungen neben die Theater stellten. Da fragte man bang: Was ist das Publikum? Für Bert Brecht war es ein Wesen, das sich im Theater nun ebenso engagieren solle wie am Rand des Fußballfelds. Walter Benjamin sah das Publikum auf der Flucht vor der Wirklichkeit: Zum Weinen ginge es ins ...
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Tanz August/September 2020
Rubrik: Side Step, Seite 10
von Arnd Wesemann
Vorpommern ist Grenzland zu Polen und zu Schweden. Vorpommern ist der äußerste Nordosten Deutschlands. «Vorpommern tanzt an» heißt dort eine frische Initiative, die zum «Grenz.Land» einlädt, realisiert von einer Kompanie mit dem schönen Namen 12 H Dance. Zwölf Stunden stehen für die Zeitdifferenz zwischen Südkorea und Argentinien, zwischen dem Choreografen Moonsuk...
Unsere jüngsten Überlegungen zum Thema «Tanzausbildung» an der Ballettschule des Kanadischen Nationalballetts lassen sich mit einem Wort des kanadischen Philosophen Marshall McLuhan auf den Punkt bringen: «Jeder Zusammenbruch ist ein Durchbruch.» Als die National Ballet School (NBS) inmitten des Covid-19-Shutdowns dichtmachte, fühlte sich das in den Stunden danach...
Frische Luft kann nicht schaden, und weil die unvergleichlichen Rotondes im Palais Garnier noch versperrt sind, verlegt Ballettmeister Andrey Klemm sein Privatissimum kurzerhand «sur Seine», genauer auf die Passerelle Léopold Sédar-Senghor. Platz ist dort genug, ein Ballettboden auch. Und das Geländer voller Liebesschlösser lässt sich leicht in eine Barre...
