Serie: Abschwellende Angst: 2. Rühr mich nicht an!
Corona hat es an den Tag gebracht – wir haben Angst. Wir gehen auf Distanz, schrecken körperlich zurück vor dem, was wir nicht sehen können. Die Angst macht der Politik längere Arme, als ihr zustehen, und hebt die Wissenschaft in den Stand einer politischen Macht. Unsere Serie will zeigen, welche Rolle der Tanz spielt in den Wissenschaften, die alle mal begründet wurden, um die Angst zu besiegen.
Wie die strenge Sicherheitskontrolle an den Flughäfen, die Gate Control, die seit 9/11 alle Passagiere verdächtigt, potenzielle Attentäter zu sein, so unterstellt auch die Abstandsregel in Corona-Zeiten, dass jede und jeder das Virus übertragen kann. Weil es möglich ist. Weil das Virus als Spätzünder bis zu vierzehn Tage braucht, um auszubrechen. Zu Erkrankten wird dringend ein Kontaktverbot empfohlen. Zu Gesunden, weil potenziell infiziert, auch. Obwohl das Virus über das größte Organ unseres Körpers, die Haut, nicht übertragen wird, wurde aus dem drohenden «Komm mir nicht zu nahe» ein mimosenhaftes «Rühr mich nicht an». Als würde die Haut den Übertragungsweg ebnen und nicht die Schleimhaut der oberen Atemwege.
Tänzerinnen und Tänzer, anders als Schauspieler und Sänger, versprühen ...
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Tanz Juli 2020
Rubrik: Side Step, Seite 14
von Arnd Wesemann
Ihr dramatisches Solo «Dybbuk» tanzte sie noch 1998, kurz vor ihrem 77. Geburtstag, im Wiener Jüdischen Museum anlässlich meiner ersten Reihe «Wiener Tanz im Exil». Wera Goldman hatte Wien nach ihrer Flucht zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zwar schon 1947 wieder betreten. Intensiv erlebt aber wurde diese charismatische, vitale Persönlichkeit in ihrer Geburtsstadt...
Eingesperrt, ruhiggestellt, den Blicken entzogen, keine Begegnung, keine Bewegung – Lagerkoller! Mit diesem Zustand dürfte spätestens seit dem wochenlangen Lockdown jeder Zuschauer Empathie haben. Da mussten wir alle durch, haben gemeinschaftlich gezürnt, geheult, geputzt, gemistet, gezoomt, geschlafen, gegessen, gegessen, gegessen ... Der Film «Through Twin’s...
Welt ohne Kunst
2017 installierte Anne Imhof «Faust» im Deutschen Pavillon bei der «Biennale di Venezia» (tanz 7/17): mit Wachleuten, Dobermännern, Hundezwingern. Eine Reflektion des deutschen Weltgeists, den Imhof mit androgynen Perfomern und Tänzern konfrontierte. So ähnlich verhält es sich auch mit dem Plakat, das sie als Teil einer Serie gestaltet hat,...
