Seitensprung in der Lokremise
Schau, was kommt von draußen rein? Es ist nicht das feine Liebchen, auch wenn es sich zuweilen durchaus fein und lieblich gebärdet. Es ist auch nicht der Nikolaus, trotz der dicken Mäntel und der wuchtigen Schritte. Bunte Gestalten sind es, die zum Fenster einsteigen oder aus Schlafsäcken kriechen und gern Lenny Kravitz hören, denen aber auch Franz Schuberts Klaviermusik in die Glieder fährt.
Mit «Schlafende Hunde we-cken» ist Philipp Egli eine Choreografie gelungen, die die Zuschauenden mit augenfälliger Musikalität für flüchtige Momente richtig jauchzen lässt und sie dann vorsätzlich so bestürzt, bis es einen schwelgen und schwindeln macht. Pulsierend rhythmisiert und räumlich raffiniert komponiert, lässt der aus Zürich stammende Choreograf seine vierzehnköpfige Tanzkompanie Theater St. Gallen immer neu ausholen zu überschwänglicher Ausgelassenheit und versunkener Innigkeit, zu gezitterter Agonie und unbändiger Wut, zu getorkelter Gleichgewichtsstörung und leichtfüßiger Harmonie.
Dabei tut sich nicht nur eine vielfältige Spannung auf zwischen der Musik und dem wechselnd on und off beat choreografierten Tanz. Und auch die räumlichen Verhältnisse spiegeln sich thematisch clever ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit «Das Haus der Bernarda Alba» stellte sich die neue Leiterin der Sparte Tanz am Staatstheater Darmstadt, Mei Hong Lin, einem ausgehungerten Publikum vor, das sich zuletzt mit Birgitta Trommlers zuweilen plattem Tanztheater vom Tanz abgewandt hatte. Dankbar und mit viel Beifall nahm es Mei Hong Lins kreuzbrave, aber solide Umsetzung von Federico García Lorcas...
Ich stehe im Supermarkt, an der Kasse. Die Frau vor mir hat ein blaues Auge, der Mann hinter mir riecht nach Urin. Ihm fällt sein Kleingeld auf den Boden, ich hebe es auf und gebe es ihm. Vor ein paar Tagen stand ich auch hier. Da waren zwei Männer hinter mir, mit einem Mädchen, das war vielleicht vier. Sie kauften zwei Flaschen Wodka und ein Glas Nutella, und die...
John Neumeiers Tanzsammlung ist für Hamburg gesichert: Nach jahrelanger Suche wurde ein stattliches Domizil für das Museumsinstitut gefunden. Es ist eine zentral, in erstklassigem Viertel nahe der Universität gelegene Stadtvilla in der Heimhuderstrasse 71. Neumeier, das Denkmalschutzamt und die Kulturbehörde haben sich über die Immobilie geeinigt. Bisher wurde das...
