Seelenforscher
«Wahrscheinlich denken Sie, dass ich homosexuell bin. Aber vielleicht bin ich es nicht. Sondern bisexuell, metrosexuell, vielleicht asexuell. Oder ich finde es einfach nur schön – und das ist alles». Gil Harushs Blick streift seine schwarz lackierten Fingernägel, die mit seinen schwarzen, kreisrunden Ohrsteckern harmonieren. Er spricht schnell und eindringlich. Keine Sekunde entlässt er sein Gegenüber dabei aus den dunklen Augen, hinter denen ein Feuer zu glimmen scheint.
Unter diesem festen Blickkontakt kontrolliert man sogleich seine Gedanken – immerhin ist der Mann nicht nur Choreograf, sondern auch Psychotherapeut. Und er hat recht. Unser Thema ist gerade Gender-Performance. «Wir beurteilen einander ständig nach den Äußerlichkeiten – nicht nur im Schlafzimmer, egal wo wir sind», so der Israeli, der Psychotherapie im Ballettsaal als sein choreografisches Werkzeug bezeichnet.
Gil Harush zieht einen in seinen Bann. Seine Persönlichkeit ist von der gleichen Intensität geprägt wie seine Tanzstücke. Darin steht er ganz in der Tradition wichtiger israelischer Choreografen wie Ohad Naharin oder Itzik Galili. Harush ist einer der prominentesten Tanzschöpfer der neuen Generation, bei ...
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Tanz Februar 2023
Rubrik: Menschen, Seite 32
von Bettina Trouwborst
In «Giselle» geht es um soziale Unterschiede. Die Liebe zwischen der Titelheldin und Albrecht scheitert an den gesellschaftlichen Barrieren und der Feigheit des Mannes, zu seiner nicht standesgemäßen Liebe zu stehen. Hier setzt die Neuinterpretation des schwedischen Choreografen Pontus Lidberg am Theater Basel an. Bei ihm geht es nicht wie im Originallibretto um...
Theaterzelte sind nicht einfach zu bespielen, aber als Ausweichquartiere sind sie durchaus tauglich. Und eine Bühne wie das Theater Vorpommern ist mit seinen Spielorten Greifswald, Stralsund und Putbus ohnehin widrige Umstände gewöhnt, also kann ja wohl auch ein Zelt herhalten, während das Theater Greifswald, ein 1915 eröffneter, klassizistischer Bau, vier, fünf...
CD des Monats
BALLO PER ORCHESTRA
Ein eigenständiges Ballett hat Georg Friedrich Händel nie komponiert. Aber in seinen Opern, ja selbst in seinen Oratorien, finden sich immer wieder Stücke, die einen aufatmen lassen – schließlich kann beim besten Willen nicht den ganzen Abend über gesungen werden, weswegen immer mal wieder ein Instrumentalsatz für vokale Erholung...
