Schöne Spinner
Der Preis ist längst wieder abgeschafft. Aber seine Konsequenzen kommen erst im Nachhinein richtig zum Tragen. 2003 hat sich Marco Goecke in Hamburg mit «Blushing» den Prix Dom Pérignon verdient und damit die Chance eingehandelt, für das Hamburg Ballett kreativ tätig werden zu können. Das hat der Choreograf aus dem Umfeld des Stuttgarter Balletts inzwischen auch getan – und zwar nach einhelliger Meinung von Kritik und Publikum ganz so, wie es Ballettintendant John Neumeier zu den 31.
Hamburger Ballett-Tagen programmatisch vorgegeben hat: als einen «Schritt in die Zukunft», mit der man sich auch an der Elbe eines Tages wird auseinander setzen müssen.
Während die anderen möglichen Mitgestalter hanseatischer Zukunft allerdings eher auf der Stelle treten, macht Goecke bei dieser Gelegenheit einen Riesenschritt vorwärts – und das mit einem Stück, das zwar nicht nach der Boulez-Devise das Opernhaus in Schutt und Asche legt, aber doch die ästhetische Konvention insoweit zertrümmert, als drei Kontrabässe pro Vorstellung dabei draufgehen. Klar, dass solche «Kollateralschäden» der Kunst ein Publikum provozieren. Prompt muss sich Marco Goecke denn auch ein paar Buhrufe gefallen lassen. Doch ...
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«Erinnerungen, das sind nur Fragmente, die Assoziationen auslösen, einige Brocken, deren Lücken dann die Fantasie ausfüllt.» So spricht kein Neurologe, sondern ein Choreograf, der dann sagt: «Erinnerung bilden durch Wiederholung die dann entstehenden und gestärkten neurologischen Netzwerke, die in einem chaotischen Register nach Wichtigkeit geordnet sind.» Wie nur...
Kaum war mein Artikel über Balanchines unvollendete «rjivfhs jvfhjd» in der Oktobernummer 2003 von ballet-tanz erschienen, steckte ich bereits wieder über beide Ohren im Schreiben eines Ballett-Szenarios für den Komponisten Philippe Fénelon und den Choreografen Daniel Larrieu nach Jorges Luis Borges weltberühmter Kurzgeschichte «Las ruinas circulares» – als sich...
