Sacrée Afrique
Kaum mehr ein Choreograf, der auf sich hält und darauf verzichten würde, seinen «Sacre du printemps» zu kreieren. Die Versionen zählt man bereits zu Hunderten, und die meisten davon entstanden in jüngster Zeit. Das Festival Les Hivernales in Avignon stand in diesem Jahr gar unter dem Thema «Sacre». Es dürfte also niemanden wundern, wenn auch afrikanische Choreografen, ohnehin zunehmend in die europäische Tanzlandschaft eingebunden, sich an Strawinsky austoben. Was hier nicht körperlich gemeint ist, denn der «Sacre» hilft ihnen eher, Energien zu kanalisieren und zu strukturieren.
Man kann sich höchstens fragen, warum es überhaupt so lange gedauert hat. Ein Grund ist, dass erst eine ganze Generation afrikanischer Choreografen Erfahrungen in Europa sammeln musste. Wer stieß die Tür auf? Elsa Wolliaston mit «Réveil» – das Erwachen. Frühlingserwachen der Verführungskünste zwischen Leben und Tod. Der schwarze Wecker klingelte 1997. Wolliaston spricht vom «Rite Of Spring» (hat mehr Kraft) und meint, der «Sacre» stehe ohnehin Afrika näher als dem Okzident, da Strawinsky sich die Inspiration für sein Œuvre bei den Schamanen holte.
Das Thema ist ja auch wie geschaffen, in seinem Bezug zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was bietet den Choreografen das Urheberrecht? Die Tanzwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter und der Rechtswissenschaftler Artur-Axel Wandtke luden zur großen Konferenz an die Berliner Humboldt-Uni. Choreografen, hieß es dort, euch stehen dieselben Rechte zu wie Autoren und Musikern! Fein. Und jetzt? Macht sich dieselbe Mattigkeit breit wie vor fünf Jahren bei...
«Number Stations» sind Radiofrequenzen, auf denen per Zahlenreihenübertragung geheime Nachrichten versendet werden. Mossad, CIA, KGB und Stasi arbei(te)ten so. Heißt es. Man weiß es nicht gewiss. Entsprechend vage sind die Botschaften von Charles Linehans Choreografie. Schlimmster Verdacht: Vielleicht gibt es die Botschaften nicht, und alles ist Ablenkung....
Germaine Acogny, die Grande Dame des afrikanischen Tanzes, betreibt eine Schule mit Bungalows und Sandtheater im märchenhaft schönen Toubab Dialaw bei Dakar in Senegal. Durch die fehlende Rückwand in der Bühne ihres Tänzerdorfs sieht man kilometerweit in die Savanne und über den Atlantischen Ozean. Hier studieren Studenten aus ganz Afrika. Nur aus...
