Rykena/Jüngst «Stripping Bolero»
Das Maurice-Ravel-Jubiläumsjahr 2025 ist vorbei, aber immer noch erklingt regelmäßig der orgiastisch aufschwingende «Boléro» des französischen Moderne-Wegbereiters. Auch bei der Uraufführung von «Stripping Bolero» im Hamburger Produktionshaus Kampnagel, als durchaus explizit lesbares erotisches Zeichen.
Wobei der postmoderne Ansatz des Hamburg-Münchner Choreograf*innenduos Carolin Jüngst und Lisa Rykena solche Zeichen bekanntermaßen primär als Dekonstruktion einsetzt – andererseits hat das Duo über den Umweg Camp schon ein Gefühl dafür, welchen Reiz eine auf den ersten Blick etwas angeschwiemelte Sinnlichkeit haben kann. Bamm-ba-da-bamm, und dazu wird dann gestrippt.
Hand greift zum Reißverschluss, ein Zögern, ein sanftes Lächeln, ein Kopfschütteln, Hand gleitet zurück. Rykena/Jüngst arbeiten hier tatsächlich recht ungebrochen mit den Mechanismen des Striptease im Sinne eines Spiels mit den Erwartungen der Zuschauer*innen. «Stripping Bolero» ist ein so cooles wie ironisches Reizen, ein Andeuten, eine Verzögerung, es ist auch ehrliches, freudiges Interesse am Körper des Gegenübers, wie es typisch ist für voyeuristische Beziehungen. Die Choreografie nimmt zwar die ...
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Tanz Januar 2026
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Falk Schreiber
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