Ruhe vor dem Sturz
Die Romands hatten die Nase schon immer ein bisschen weiter vorn, die Tanznase ohnehin. Das zeigt sich jetzt wieder: Während sich in der deutschsprachigen Schweiz mehr und mehr Intendantinnen und Intendanten offenbar nicht auf eine choreografische Handschrift festlegen wollen, sodass bald drei von fünf institutionellen Ensembles von Dramaturginnen geleitet werden, holt Genf einen der berühmtesten Choreografen der Welt. Sidi Larbi Cherkaoui ist dem ehemaligen Direktor der Flämischen Oper in Antwerpen/Gent, Aviel Cahn, gefolgt, der nun Direktor des Grand Théâtre de Genève ist.
Und er hat bereits renommierte Partner ins Haus gebracht. Sein erstes Stück als Genfer Ballettdirektor, das von japanischen Holzschnitten und Malerei aus dem 17. Jahrhundert inspirierte «Ukiyo-e», wird vom Maison de la Danse und dem «Pôle européen de création Lyon» sowie der Tanzbiennale von Lyon und anderen koproduziert. Oben auf der Treppe muss die Luft zum Atmen dünn sein. Wie sonst kommt es, dass diese Menschen, kaum auf dem Zenit angekommen, sich hinunterstürzen, ins dunkle Nichts? Eigentlich wollte Sidi Larbi Cherkaoui ein Stück über den Aufstieg machen, ein Treppensteigen, leichten Körpers und leichten ...
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Tanz 1 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 10
von Lilo Weber
«Ich habe Frankfurt vermisst und freue mich, dorthin zurückzukommen!», fällt Ioannis Mandafounis gleich zu Beginn unseres Gesprächs mit der Tür ins Haus. Für das Telefoninterview erreiche ich ihn in Nordschweden, wo er mit der Company Norrdans eine Wiederaufnahme probt. «One One One» ist ein Stück, in dem sich jeweils ein*e Zuschauer*in und ein*e Tänzer*in...
Die Mauer aus 1500 Mehlsäcken, gestapelt bis unter die Decke, macht die Bühne zu einem düsteren Ort. Hier schuften zwölf Lehrjungen für den Mühlenmeister, in Wahrheit ein schwarzer Magier. Als der Waisenjunge Krabat zu ihnen stößt, kommt nicht nur Dynamik in die unheimliche Szenerie. Die Atmosphäre in Demis Volpis Erfolgsstück «Krabat» (uraufgeführt 2013 beim...
Nachts kommen die Schatten. Sie kriechen, schleichen, rollen und schlurfen durch das Unterbewusstsein des alternden Malerfürsten (Christopher Carduck), und als eine Art Sarg aufrecht in den Raum rollt, bringen sie ihn dazu, das Objekt zu signieren. Immerhin kann sich der Künstler in das Ding retten, das sich als Jungbrunnen erweist: Kurz darauf erscheint er nämlich...
