Yaroslav Ivanenko «Labyrinth der Träume»

Kiel

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Nachts kommen die Schatten. Sie kriechen, schleichen, rollen und schlurfen durch das Unterbewusstsein des alternden Malerfürsten (Christopher Carduck), und als eine Art Sarg aufrecht in den Raum rollt, bringen sie ihn dazu, das Objekt zu signieren. Immerhin kann sich der Künstler in das Ding retten, das sich als Jungbrunnen erweist: Kurz darauf erscheint er nämlich deutlich frischer, als Kind.

Für Yaroslav Ivanenko ist der Einstieg als Erinnerungsflashback in sein Ballett «Labyrinth der Träume» über Werk und Biografie des surrealistischen Malers Salvador Dalí ein geschickter Schachzug: Einerseits kann er so zwischen Zeiten hin- und herspringen, andererseits zeigt er mit Ausdruckstanz-Anleihen schon im ersten Bild, dass er als Choreograf mehr kann als nur optisch reizvolle Neoklassik. Und schließlich lässt sich in der Szene auch noch eine kleine Spitze gegen die Superstarposisition Dalís entdecken: Um die Handlung in Gang zu setzen, muss der Künstler seinen Namen auf das Objekt setzen, auch wenn er längst zum Werkzeug ganz anderer Einflüsse geworden ist. Wie der späte Dalí, der unzähligen Surrealismus-Nippes auf den Markt warf, der nur durch die Signatur astronomische Summen ...

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Tanz 1 2023
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Falk Schreiber

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