Melissa King «A Chorus Line»
Am Anfang sind sie nur eine Nummer und träumen davon, sich eine Rolle in einem neuen Broadway-Stück zu ertanzen. Junge und nicht mehr ganz so junge, auf jeden Fall engagierte und ehrgeizige, mitunter auch verzweifelte («Verdammt, ich brauch den Job, ich hoff, ich krieg den Job») Tänzerinnen und Tänzer. Und damit ist auch der Zuschauer gleich mittendrin in der Handlung, als Zaungast des knallharten Ausleseprozesses im Musical-Business. Alle Kandidat*innen haben verschiedene Hintergründe, manche träumten schon mit drei oder vier Jahren von der großen Bühne, andere erst mit 16.
Wurden häuslich gefördert. Oder eben nicht.
Mit jeder persönlichen Vorstellung, jeder Story über ihr Verhältnis zum Tanz, verschwinden die Nummern und werden zu Namen: zu Al, zu Bene, zu Sheila oder zu Maggie. Herzzerreißend dabei die Geschichte von Paul (Kevin Reichmann), der schon in jungen Jahren als Drag Queen überleben musste, «den Absprung» geschafft hat und nun auf seinen Durchbruch hofft. Als er sich verletzt, leidet das ganze Publikum mit. Auch die persönlichen Geschichten zählen bei der Audition, neben perfekten Schritten und Bewegungen. Will Regisseur Zach (sehr überzeugend dargestellt von Arne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2024
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Torsten Kutschke
«Take Five» ist ein typisches Alexander-Ekman-Stück: perfekt gesetzter Tanz von einem ultraprofessionell agierenden Ensemble, einschmeichelnde Musik mit leichten Widerhaken, eine herzerwärmende Story, die, kurz bevor sie vollkommen in fröhlicher Cheesyness versinkt, einen Abgrund aufscheinen lässt, der dann wieder mittels Humor eingeebnet wird, zumindest solange...
Schonungsloser Totaleinsatz für das Ballett des Staatstheaters am Münchner Gärtnerplatz: Die Uraufführung von Andonis Foniadakis‘ «Troja» wird zum bedrückenden Antikriegs-Mahnmal. Auf dem Fundament von Euripides’ antiker Tragödie «Die Troerinnen» mutet vieles so archaisch wie martialisch an. Foniadakis erzählt keine lineare Geschichte, sondern beschwört eher...
Ist es ein Zeichen von Anthropozentrismus, wenn wir Tanz automatisch mit Homo Sapiens assoziieren? Gehört Tanz nur uns, oder müssen wir ihn teilen? Und mit wem? Man weiß, dass die Japankraniche über ausgefeilte, faszinierende Balztanztechniken verfügen, aber um die geht es Jérôme Bel nicht. Sondern um Choreograf*innen, die dem tanzenden Körper erlauben, sich...
