Robert North: «Tschaikowskys Träume»

Mönchengladbach: Robert North: «Tschaikowskys Träume»

Tanz - Logo

Man hätte schon durch den Titel gewarnt sein müssen. «Tschaikowskys Träume» – ein Zweiteiler, der von Luisa Spinatelli mit allzu vielen aus dem Bühnenhimmel herabfahrenden Prospekten ausgestattet wurde, auf die ein seiner Farben verlustig gegangener Nolde verschwommene Bilder gemalt haben könnte. Im Theater Mönchengladbach ist Zeit-Totschlagen angesagt.

Norths Glaube, man könne eine so komplizierte Existenz wie die des Komponisten Peter Iljitsch Tschaikowsky choreografisch in 70 Minuten spiegeln, befördert sein verplüschtes Stück in ein ästhetisches

Niemandsland, das von pathetischem Schwulst und holdem Kitsch begrenzt wird.
Die Bühne erklimmt der Tschaikowsky-Darsteller Aliaksandr Rulkevich aus dem Orchestergraben; es ist ja die Musik, die Tschaikowskys Leben bestimmt. Schon bald wird er sich, in die Kindheit zurückversetzt, die Ohren zuhalten und in die Arme der Mutter flüchten, bis ihn das von einem großen, schwarz gekleideten Tänzer verkörperte «Schicksal» (Ziga Jereb) entführt. Mindestens in dieser getanzten Biografie ist der Verlust der Mutter das prägende Ereignis im Leben Tschaikowskys; ohne seine Mama ist er hilflos.

Wovon Norths in drei Altersstufen zerlegter Held träumt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2008
Rubrik: Der Kalender, Seite 46
von Jochen Schmidt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tanz auf linie

Bautzen, eine Kleinstadt in der Oberlausitz. 41 000 Einwohner. Es ist kurz vor 20 Uhr. Im großen Haus des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, hier, wo als Erstes nach der Wende das Ballett abgewickelt wurde, bereiten sich die Männer auf einen Fußballabend vor. Gazprom Schalke 04 versucht das Unmögliche und will den FC Barcelona aus der Championsliga kicken. Eine...

Rencontres Choréographiques Internationales De Seine-Saint Denis

Rencontres Chorégraphiques Internationales De Seine-Saint Denis

Nacera Belaza und Radhouane el Meddeb sind zwei der Hoffnungsträger bei  den  Rencontres chorégraphiques internationales de Seine-Saint Denis bei Paris. Wir fragten die beiden nach der Rolle ihrer Herkunft für ihre Choreografien.

Radhouane el Meddeb: Ich bin in Tunesien aufgewachsen, habe dort die...

Pilar López

Pilar López trat im «Kursaal» auf, im «Principal» oder im «Príncipe Alfonso». Allesamt vornehme Lokale, vornehmer zumindest als die verkommenen Cafés Cantantes, die dem Flamenco so lange eine zweifelhafte Bühne geboten hatten. Schlichtes, derbes Kabarett hatte es dort gegeben, aber nun, zu Beginn der 1920er Jahre, zog der Flamenco in ein gediegeneres Ambiente....