Robert North: «Tschaikowskys Träume»
Man hätte schon durch den Titel gewarnt sein müssen. «Tschaikowskys Träume» – ein Zweiteiler, der von Luisa Spinatelli mit allzu vielen aus dem Bühnenhimmel herabfahrenden Prospekten ausgestattet wurde, auf die ein seiner Farben verlustig gegangener Nolde verschwommene Bilder gemalt haben könnte. Im Theater Mönchengladbach ist Zeit-Totschlagen angesagt.
Norths Glaube, man könne eine so komplizierte Existenz wie die des Komponisten Peter Iljitsch Tschaikowsky choreografisch in 70 Minuten spiegeln, befördert sein verplüschtes Stück in ein ästhetisches
Niemandsland, das von pathetischem Schwulst und holdem Kitsch begrenzt wird.
Die Bühne erklimmt der Tschaikowsky-Darsteller Aliaksandr Rulkevich aus dem Orchestergraben; es ist ja die Musik, die Tschaikowskys Leben bestimmt. Schon bald wird er sich, in die Kindheit zurückversetzt, die Ohren zuhalten und in die Arme der Mutter flüchten, bis ihn das von einem großen, schwarz gekleideten Tänzer verkörperte «Schicksal» (Ziga Jereb) entführt. Mindestens in dieser getanzten Biografie ist der Verlust der Mutter das prägende Ereignis im Leben Tschaikowskys; ohne seine Mama ist er hilflos.
Wovon Norths in drei Altersstufen zerlegter Held träumt, ...
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