Rauschende Feste

Nachts träumen Festival-Veranstalter von einem Publikum, das von der Kunst verzückt sich selbst ein Fest gibt. So wie die Premierenfeier zum Theater, gehört das Fest zum Festival. Kulinarik und Kunst, das schmeckt. Aber wie nah sind sich die beiden wirklich?

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Euripides, der alte Grieche, schrieb um 406 vor Christus die «Bakchen» – ein Stück, in dem er ein für alle Mal mit dem Tanzen abrechnete. Die Bakchen sind bei ihm Anhängerinnen des sogenannten Dionysos-Kults. Alle drei Jahre verlassen sie ihr Dorf in Thrakien und gehen in die Wälder, um dort zum Tier zu werden. Sie tanzen sich in Ekstase und glauben an einen Gott der Trunkenheit und Sinneslust. Eines Tages schleicht sich der junge König Pentheus heimlich in den Wald. Ihm kommt dieses Treiben unsittlich und unsinnig vor.

Den Ausschluss von Männern bei diesem Fest findet er auch nicht besonders gut. Seine eigene Mutter Agaue entdeckt ihn, obwohl er als Frau verkleidet ist, und sie schlachtet ihn, im Rausch. Die Moral der Geschichte: Nichts ist gefährlicher als ein Fest. Die Zerstörung von Anstand und Sitte stehen höher als sich einer so vernunftlosen Lust wie dem Tanz hinzugeben. Damit feierte Euripides, als alter Mann, den Sieg des Theaters über das Fest – mit Blutbad und Wehgeschrei (siehe Seite 64).

Seitdem gilt das Theater als Festung der Moral. Die Sittlichkeit und die Erziehung des Menschen geben diesem Haus einen Sinn, das sich vor rund zweihundert Jahren in Europa mit Hilfe ...

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Tanz Mai 2008
Rubrik: Feste Tanzen, Seite 10
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