R.I.P., Ballettomanie?

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Vor ein paar Jahren – es war nach einer Vorstellung des Northern Ballet, ich wollte gerade das Theater verlassen – winkte mir der Startänzer der Kompanie freundlich zu. Er hatte schon etwas an der Bar getrunken, leerte sein Glas und kam dann rüber zu mir, um ein paar Worte mit mir zu wechseln. Als ich einmal beiläufig an ihm vorbeisah, fiel mir eine Frau mittleren Alters auf, die sein leeres Glas vom Tresen nahm und daran schnupperte. «Was hast du denn da gerade getrunken?», fragte ich den Tänzer.

«Jack Daniels», erwiderte er und guckte ein wenig verwirrt, als ich ihm prophezeite: «Bald wirst du ‘ne große Flasche Jack Daniels geschenkt bekommen.» Zwei Tage später erfüllte sich meine Prophezeiung, die Flasche wurde für ihn abgegeben, hübsch verpackt, anbei ein überschwängliches Brieflein. Die kleine Begebenheit gab mir damals einen ziemlichen Kick, so als wäre ich völlig unerwartet eines Tieres ansichtig geworden, das eigentlich als ausgestorben galt: Ich war Zeuge einer Geste geworden, die ich in dieser Form schon seit Jahren nicht mehr beobachtet hatte.

Wo sind sie eigentlich heute, diese Ballettomanen? Ich meine jetzt nicht die landläufigen Ballett-Fans, die den Tanz lieben und ...

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Tanz Oktober 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Mike Dixon

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